Polizei - Workplace violence

In diesen Firmen wird gemobbt. Ich hoffe ich muss nun kein Backup einspielen!

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Polizei - Workplace violence

Beitragvon macdet » Fr, 19 Okt 2007 2:54 +0000

Thoms Müller zum Thema Workplace violence und in der Sendung Mobbing Krieg am Arbeitsplatz

Hätte Coaching der Vorgesetzten verbunden mit einer Mediation den Verlauf ändern können? Ist Mobbing
nicht abwendbar?

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 http://www.poli2.de/story/sylvia%20braun%20stern.htm S  T  E  R  N  -  A  R  C  H  I  V


Dokument 1 von 2 Quelle: STERN I Ausgabe: 39 I 21-09-2000 I Seite: 84 I Autor/in: *Frauke Hunfeld*

WARUM STARB SILVIA BRAUN?

Wer hat sie so gedemütigt, dass sie nicht mehr leben wollte? Wer hat mitgelacht, wer geschwiegen? Oder ist überhaupt nichts geschehen? Eineinhalb Jahre nach dem Selbstmord der Münchner Polizistin steht ihr damaliger Schichtleiter vor Gericht


Der Tod ist kein Beweis", sagt der Leiter der polizeiinternen Untersuchungskommission, Hansjörg Trum. "Ich habe alle Kollegen befragt. Was soll ich denn machen, wenn keiner was gesehen hat und niemand etwas gehört? Ich bin überzeugt, dass nicht die Kollegen schuld sind am Tod der Frau Braun."

"Liebe Mama", stand in Silvia Brauns Abschiedsbrief, "jetzt weiß ich hoffentlich bald, ob es einen Himmel gibt. Bete für mich. Ich weiß, dass dies der feigste Ausweg ist, aber ich kann mir nicht mehr anders helfen. Ich traue mich nicht mehr nach München. Ich habe keine Lust mehr, mich von denen quälen zu lassen. Bitte verzeih mir. Ich liebe Dich, Deine Silvia."

"Ein Abschiedsbrief ist auch kein Beweis", sagt Hansjörg Trum, "Und Silvia Braun war doch nur zweieinhalb Monate auf dem Revier. Darf ein Mensch so schnell verzweifeln?"

"Fakt ist", steht in persönlichen Notizen Silvia Brauns, "ich habe keinerlei Beweise. Das Problem auf dem 14er Revier ist ja bekannt. Aber dass es so ist, hätte ich nicht gedacht."

*
Eineinhalb Jahre ist es jetzt her, dass Silvia Braun an einem Samstagabend im Februar aus dem Heimatdorf Herblingen aufbrach nach München. Gut zwei Stunden Nachtfahrt lagen vor ihr bis zur Polizeiinspektion 14 im Münchner Stadtteil Milbertshofen. Eine Fahrt durch kleine schwäbische Dörfer, über Landstraßen und schließlich die Autobahn. Niemand wird je wissen, was sie geplant hatte, als sie losfuhr, und wann genau sie sich entschied, den Dienst nie wieder anzutreten. Sie hatte ihre Tasche zu voll gepackt, die Mutter musste ihr die Stiefel zum Auto hinterhertragen. "Wenn was ist, dann ruf an, oder komm einfach heim", sagte Margit Braun ihrem Mädchen. "Ist klar, Mama." Dass Silvia nicht gern fuhr, wusste die Mutter. Die junge Polizeimeisterin war seit dem 1. Dezember in der neuen Dienststelle beschäftigt. Bis dahin war Polizistin ihr Traumberuf gewesen. Jetzt zitterte sie vor jeder Schicht.

Als man sie fand, war es schon Mittag des folgenden Tages. Der Schnee hatte ihr Auto auf dem kleinen Rastplatz an der A8 bedeckt wie ein unberührtes Laken. Darunter saß sie, der Kopf war vornüber auf das Lenkrad gekippt und die langen blonden Locken blutverschmiert. Sie hatte die Schläfe gewählt, um die Dienstwaffe anzusetzen. Die Kugel hatte ihren Kopf durchschlagen und dann die Scheibe.

Die ersten Tage nach dem Tod ihrer Tochter verbrachte Margit Braun im Schock. Erst im Nachhinein setzt sie Dinge zusammen, kommen Bilder zurück: Dass ein Hubschrauber kreiste über dem Friedhof des kleinen Dorfes und Polizei postiert war an den Ortseingängen. Dass die Polizisten vom psychologischen Dienst sie vor der Presse warnten wie vor einem großen, bösen Tier. Sie solle mit keinem reden, schon gar nicht darüber, dass sie Kollegen die Schuld gibt für den Tod.

Wer bei der Beerdigung war, daran erinnert die Mutter sich nicht - viele junge Leute, dass weiß sie noch, und das Grab war ein Meer von Blumen. In der Kirche war sie aufgestanden und hatte die Dörfler gebeten, keine Interviews zu geben, um die Ermittlungen der Polizei nicht zu behindern. Und, ja, einen Tag später rief dann die Polizei an und sagte, die Eltern sollten jetzt das Auto abholen, aber Eimer und Putzlappen nicht vergessen und eine Plane zum Draufsitzen wegen des ganzen Blutes.

VON MOBBING hatte Margit Braun bis zum Tod ihrer Tochter noch nie etwas gehört. Einmal fiel der Begriff in einer Fernsehsendung, da hat sie nur gedacht: Was ist das wieder für ein neumodisches Zeug?

Drei Monate haben die Brauns darauf gewartet, dass die Polizei ermittelt, woran ihre Silvia zerbrochen ist. Die Informationen flossen spärlich. Vor Ablauf der Frist für einen Strafantrag rief ein pensionierter Polizist bei ihnen an: Wenn sie wollten, dass Silvias Tod aufgeklärt würde, dann sollten sie besser selber Anzeige erstatten. Am nächsten Tag fuhren die Brauns in die Kreisstadt. Sie zeigten den Vorgesetzten ihrer Tochter, Kai-Uwe W., und die beiden Kollegen Andreas S. und Andreas W. an. Jetzt streiten die Eltern vor Gericht um das Andenken ihres Kindes.

Eine Spurensuche.

Silvia Braun war 22 Jahre alt, als sie beschloss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Bis dahin war alles nach Plan gelaufen. Silvia wuchs behütet auf, ein Landkind, das Tiere liebte und bereits als Vierjährige mit den anderen Kindern im Dorf herumstromerte. Schon ihre Mutter war in dem 218-Seelen-Dorf geboren worden, sie heiratete den Nachbarsjungen, und Silvia wurde groß zwischen Tanten und Großeltern, Cousinen und Cousins. Sie kam gut durch die Schule und mit 15 wusste sie, dass sie Polizistin werden wollte. Nach der mittleren Reife ging sie mit 17 in die dreijährige Ausbildung nach Eichstätt, Würzburg und Dachau, kam dann zu einer Einsatzhundertschaft nach München. Silvia war unbeschwert und beliebt, sie mochte ihren Beruf, und die Wochenenden gehörten ihren Freunden, ihrem Hund und dem Motorrad. Zum ersten Dezember 1998 wurde sie in die Polizeiinspektion 14 versetzt. Endlich in den Einzeldienst. Sie freute sich. Zweieinhalb Monate später war sie tot.

Bei ihren Freunden galt Silvia nicht als schwache Persönlichkeit. Sie war munter, frech und lebensfroh, hatte weder Liebeskummer noch familiäre Probleme. Sie scheute Auseinandersetzungen nicht, und mit Kritik konnte sie umgehen, sagt ihr Ausbilder bei der Polizei. "Ein paar blöde Sprüche hätten Silvia nicht aus der Bahn geworfen."

Silvia war ehrgeizig. In der Ausbildung war sie eine von fünf Realschülerinnen unter neunzig Abiturientinnen. Ihre Leistungen waren überdurchschnittlich. Sie hatte ein Zimmer in Dachau, an den Wochenenden fuhr sie heim nach Herblingen. Ihre Mutter war neben zwei Freunden ihre engste Vertraute.

Immer wieder kommen in Margit Braun die Erinnerungen an die Wochen nach dem Dienstantritt der Tochter in München hoch. Wie sie der Aufgabe entgegenfieberte. Ein Großstadtrevier. Extra neu eingekleidet hatte Silvia sich zur Vorstellung auf der Wache, ein paar Tage vor Dienstbeginn. Traurig kam sie wieder, denn man hatte sie links liegen gelassen, ihr nichts gezeigt und sie nicht einmal den neuen Kollegen vorgestellt.

IN DEN FOLGENDEN WOCHEN wurde Silvia immer verzweifelter. Sie erzählte von Demütigungen und Ausgrenzung, und sie verstand die Welt nicht mehr. Niemand wollte mit ihr Streife fahren, keiner fragte sie, ob sie mit essen gehen wollte. Was machte sie bloß falsch? Sie werde nicht eingearbeitet, klagte sie, die drei mächtigsten Kollegen ihrer Schicht ließen sie auflaufen. Ihr Vorgesetzter Kai-Uwe W. bezeichne ihre Arbeit als Mist. Ständig frage er, wo sie "wieder die ganze Nacht herumgefickt" habe, ob sie ihre gute Kondition "vom Bumsen", ob sie einen neuen "Stecher" habe. Einmal, als jede Inspektion aufgefordert wurde, Zielvorgaben zu erarbeiten, hieß es seitens des Chefs: Unser Ziel ist es, Frauen aus der Schicht zu mobben. Silvia spürte, sie war gemeint.

Die anderen standen daneben. Manchmal lachten sie mit. Keiner half ihr.

Silvia wurde immer stiller. Sie aß nicht mehr, sie schlief kaum noch. Sie war nervös und schreckhaft, knabberte ständig an den Fingernägeln. Sie versuchte, sich keinen Fehler zu Schulden kommen zu lassen, sie fuhr noch eine Stunde früher von zu Hause los, um ja keine Sekunde zu spät zu kommen. In ihrer Freizeit fuhr sie kreuz und quer durch Milbertshofen, um sich die Straßennamen einzuprägen und das Revier besser kennen zu lernen. Einmal sagte sie: "Die haben mich so weit, dass ich nicht mal mehr weiß, wie mein Name geschrieben wird."

Ihrer Mutter erzählte sie auch die Sache mit der Anzeige, und sie weinte dabei, so hatte sie sich geschämt. Der Chef wies sie bei einer Streifenfahrt an, eine Autofahrerin wegen einer Geschwindigkeitsübertretung anzuzeigen. Silvia wehrte sich. Die Anzeige war ungerechtfertigt. Der Chef bestand darauf. Die Autofahrerin beschwerte sich später. Silvia hatte unterschrieben und musste dafür geradestehen. Nach Silvias Tod meldete sich die Autofahrerin bei Margit Braun. Sie wünschte Beileid und schilderte, wie Kai-Uwe W. die junge Polizistin gezwungen habe, die Anzeige aufzunehmen, und wie hilflos Silvia gewesen sei.

Oder das mit dem Brand. Sie wollte Zeugen befragen, erzählte Silvia ihrer Mutter. "Nicht nötig", meinte ihr Kollege. "Ich helfe dir nachher bei dem Protokoll." Auf dem Revier habe sie dann alleine davor gesessen und nicht gewusst, was sie schreiben soll. "Hättest du halt die Zeugen befragt", habe der Kollege gesagt und sei gegangen. Silvia saß in der Falle.

EIN PAAR FREUNDEN hatte sie sich ebenfalls anvertraut. Robert, Elke, einem Freund der Familie, Polizist in Augsburg. Auch einigen Kollegen aus ihrer alten Dienststelle, die ihre Namen nicht nennen wollen. "Wirf die Flinte nicht ins Korn", rieten die. "Geh zum Chef."

Ihr ehemaliger Ausbilder vereinbarte ein Treffen mit dem Personalrat. Zögernd erzählte Silvia von ihren Problemen. Aber dann flehte sie ihn an, nichts zu unternehmen. Sie wolle auf gar keinen Fall, dass irgendjemand auf der Schicht erführe, dass sie was ausgeplaudert habe. Gleich am Anfang habe man ihr klargemacht, dass sie nichts, gar nichts von dem, was sie auf dem Revier mitbekommt, an Dritte weitergeben dürfe, was immer es auch sei. "Die Hand, die einen führt, auf die kackt man nicht", hieß es. Völlig panisch sei sie gewesen, erinnert sich der Ausbilder, der in den letzten Wochen für Silvia zur Vertrauensperson wurde. "Wenn sie mich besuchte, schaute sie sich um, ausgehen in München war unmöglich geworden, weil uns jemand sehen und dann darauf kommen könnte, dass sie mir erzählt, was in der A-Schicht los ist. Wenn die erfahren, dass ich geredet habe, wird alles noch schlimmer, hat sie gesagt."

Ihrer Mutter erklärte Silvia, sie wolle kein Kameradenschwein sein. Keine Nestbeschmutzerin, keine Petze. Und vielleicht hat sie ja auch gehofft, dass man sie doch noch aufnimmt, wenn sie alles erträgt und keinen Fehler macht. Margit Braun versuchte zu helfen. Am Anfang tat sie, was Mütter so tun. Sie sagte: "Das wird schon" und "Lass dich nicht unterkriegen". Dann bot sie an, mit "denen" zu reden. Silvia lachte bloß: Mama, wie sieht denn das aus?

Die Mutter rief den CSU-Abgeordneten des Wahlkreises an. Silvias Vater war auch in der CSU, man war bekannt, und schließlich hatte der Mann immer gesagt, wenn ihr ein Problem habt, dann meldet euch. "Ich brauche handfeste Beweise", sagte er, und selbst mit Beweisen wisse er nicht, was er tun könne.

Margit Braun schleppte ihre Tochter zum Arzt. Der bescheinigte ihr eine Depression als Reaktion auf ihre berufliche Situation, verordnete Ruhe und empfahl, schleunigst etwas an ihrer Lage zu ändern. Als wäre das so leicht gewesen. Am Schluss sagte die Mutter: "Dann kündige halt, wenn es nicht mehr geht."

Nur gegen großen Widerstand ließ Silvia sich nach einem Autounfall für ein paar Tage krankschreiben. Auch in dieser Zeit fand sie keine Ruhe. Bei jedem Telefonklingeln zuckte sie zusammen. Viel zu früh fuhr sie wieder zum Dienst. Nur 14 Tage hielt sie noch durch in der Polizeiinspektion 14, Schicht A.

*

ALS BEKANNT WURDE, dass sich eine junge Polizeimeisterin erschossen hatte und dass Kollegen im Verdacht standen, dafür mitverantwortlich zu sein, war das Entsetzen in München groß. Die Polizei war in den Monaten vor Silvias Tod schon durch eine Reihe von Skandalen erschüttert worden. Besäufnisse im Dienst, Rotlichtaffären, Ballerei auf Revieren, Schlägereien auf der Wies'n. Immer wieder gab es Kritik an der Führung. Die sei, so Polizisten anonym in einer Münchner Tageszeitung, längst durch Korpsgeist ersetzt worden: Unbedingte Geschlossenheit nach außen und Rechtfertigung auch des schlimmsten persönlichen Fehlverhaltens, solange es irgendwie geht. Die Polizeidirektion stand unter Druck. Man versprach, den Fall Silvia Braun rückhaltlos aufzuklären, eine Untersuchungskommission wurde eingesetzt.

Silvia Brauns Vorgesetzter Kai-Uwe W. hatte eine blütenweiße Personalakte. Dabei war Silvia nicht die Einzige, die massiv unter ihm zu leiden hatte. Nur wusste sie davon nichts, denn erst nach ihrem Tod sprachen auch die anderen.

Schon in der Ausbildung war Kai-Uwe W. durch ständige schweinische und verachtende Sprüche den Kolleginnen gegenüber aufgefallen. Eine Polizistin hatte er mehrfach mit Sätzen angemacht wie "Deine Titten hängen so tief, bist du schlecht gelaunt?", und "Mach doch öfter mal die Beine breit, dann wird's besser."

Jede der wenigen Frauen des Lehrgangs wurde fast täglich auf ihren Busen angesprochen. Die Männer, sagt eine Zeugin, bekamen die Beleidigungen mit - und meinten, so was müsse aushalten, wer zur Polizei will. Und die Vorgesetzten? An die, so eine junge Polizistin, habe man sich nicht gewendet. Die hätten ja mitgelacht. Und im Unterricht habe einer der Chefs gesagt: "Gut, wenn die Männer auf Lehrgang sind, in der Zeit kann man ja deren Frauen ficken." Völlig sinn- und zwecklos sei es, sich an solche Leute zu wenden. "Wir erwarteten uns absolut keine Hilfe."

KAI-UWE W. fiel durchs Praktikum, seiner Karriere tat das keinen Abbruch. Die ständigen Obszönitäten, die Tatsache, dass er nach Zeugenaussagen im Beamtenwohnheim gelegentlich das Horst-Wessel-Lied hörte - bei offener Tür und mit voller Lautstärke, dass in seinem Zimmer die Reichskriegsflagge hing, dass er sich permanent seiner guten Kontakte zu deutschen und österreichischen Rechtsradikalen rühmte -, viele bekamen es mit, keiner wollte Petze sein.

Kai-Uwe W. wurde Schichtführer der PI 14, obwohl eine Beurteilung ausdrücklich darauf verwies, dass er für Führungsaufgaben ungeeignet sei. Einige Frauen verließen die Schicht auf eigenen Wunsch.

Sandra B.* hielt es im Sommer 98 nur drei Monate in Silvias A-Schicht aus. Sie fühlte sich von den Mitgliedern nicht akzeptiert, hatte Auseinandersetzungen mit Andreas S. und musste ständig die derben Witze von Kai-Uwe W. ertragen. Der bezeichnete sie als "Oberpfälzer Bauerntrampel" und "blöde Sau". Der ebenfalls beschuldigte Andreas S. sagte ihr auf einer Streifenfahrt: "Gleich haue ich dir eine rein." Sandra B. suchte das Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten und dem Personalrat. Sie bat den Chef um Versetzung, der lehnte ab. Schließlich gelang ihr die Umsetzung in eine andere Schicht - seitdem, sagt die Polizistin, werde sie von den meisten der A-Schicht-Kollegen praktisch ignoriert.

Maren G.* möchte die Zeit in der A-Schicht ganz schnell vergessen. Kai-Uwe W., sagt die Polizistin, gebrauchte derart erniedrigende Ausdrücke für Frauen, dass sie diese nicht zitieren möchte: "Wenn der damalige Dienstgruppenleiter solche Schweinereien hörte, hat er höchstens dazu gelacht." Man hätte sich sicher nicht alles gefallen lassen, sagt die Polizistin, "wenn der Chef nicht seine schützende Hand über den Kollegen gehalten hätte".

Nur diejenigen, die geblieben sind, haben angeblich nie etwas bemerkt. Monate nach dem Selbstmord von Silvia Braun organisierte die Polizeipressestelle eine Konferenz, in der die Kolleginnen der PI14 in einem offenen Brief beteuerten: "Niemand von uns, die Silvia Braun noch kannten, hat jemals beobachtet, dass sie gemobbt worden wäre. Auch haben wir niemals ein frauenfeindliches Klima bei der PI 14 festgestellt. Wir wurden immer korrekt, freundlich und kollegial behandelt."

Und die Untersuchungskommission? Die kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Silvia Braun nicht durch Fehlverhalten der Kollegen in den Tod getrieben wurde. Das klingt seltsam, zumal der direkte Vorgesetzte Silvia Brauns, Kai-Uwe W., inzwischen aus dem Polizeidienst entlassen wurde, ein anderer Kollege versetzt.

Auch sonst ist laut Untersuchungsbericht im Grunde nichts Bemerkenswertes geschehen auf der PI 14. Lediglich empfanden einzelne Beamtinnen das Klima als "unfreundlich". Vielmehr hätten sich im Rahmen der Untersuchung Hinweise auf eine psychische Störung der Silvia Braun ergeben.

Welcher Art diese Störung gewesen sein soll und wie man zu dieser Erkenntnis gelangt ist, darüber gibt es keine näheren Angaben. Silvia Braun war bis zum Dienstantritt in München nie ernsthaft krank gewesen. Für psychische Störungen gab es keine Hinweise, sagt ihr Hausarzt. Das Krankenhaus Nördlingen, in dem sie sich zwischenzeitlich befand, bescheinigte ihr eine reaktive Depression, ausgelöst als Reaktion auf ihre berufliche Misere.

Margit Braun will sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden geben. Sie nahm sich den Münchner Anwalt Thomas Etzel, der sich bundesweit einen Namen als Experte für Mobbing-Fälle gemacht hat. Und sie ist zum Schrecken der Polizeiführung geworden. Unvermutet taucht sie auf Pressekonferenzen auf, bei denen es um ihre Tochter geht und zu denen sie nicht eingeladen ist, auf Landtagssitzungen und im Polizeipräsidium. Sie ergreift das Wort, schreibt Briefe und Anzeigen, entbindet Ärzte von der Schweigepflicht, besorgt Atteste und Gutachten.

"MIT DEM TOD MEINER TOCHTER muss ich mich abfinden", sagt sie. "Damit, dass ihr Andenken in den Schmutz gezogen wird und sie als psychisch krank hingestellt, damit werde ich mich nicht auch noch abfinden." Silvias Vater Johann Braun äußert sich nicht mehr in der Öffentlichkeit. Er schweigt und weint viel.

Der Staatsanwalt klagt den Hauptbeschuldigten Kai-Uwe W. wegen 15-facher Beleidigung in insgesamt sechs Fällen an. Silvia Braun ist einer dieser Fälle. Mehr kann Kai-Uwe W. nicht nachgewiesen werden. Zugute hält der Staatsanwalt dem Beschuldigten, dass er den Selbstmord nicht habe vorhersehen können. Die Eltern von Silvia Braun sind deshalb zur Nebenklage nicht zugelassen.

*Namen von der Redaktion geändert

Bildunterschrift: POLIZEIREVIER 14 Schreibtisch und Spind von Silvia Braun. Auf ihren Einsatz im Großstadtrevier Milbertshofen hatte sich die junge Polizistin gefreut - dann begann ihr Martyrium / AUSGELASSEN Ihre letzten Ferien verbrachte sie mit Freunden am Gardasee / "Wenn was ist, dann ruf an, oder komm einfach heim" - "Ist klar, Mama" - ENDSTATION Auf diesem Rastplatz an der A8 erschoss sich Silvia Braun mit ihrer Dienstwaffe / "Dass Silvias Andenken in den Schmutz gezogen wird, damit will ich mich nicht auch noch abfinden" - TOD NACH MOBBING Silvia Brauns Grab an der Kirche ihres Heimatdorfes Herblingen / "Liebe Mama, jetzt weiß ich hoffentlich bald, ob es einen Himmel gibt. Bete für mich" - DIE ELTERN Margit und Johann Braun wollen nicht hinnehmen, was ihrer Tochter angetan wurde / EINSCHULUNG Die kleine Silvia war ein Landkind. Schon als Teenager wollte sie zur Polizei / TRAUMBERUF In der Ausbildung waren Silvia Brauns Leistungen überdurchschnittlich
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Polizeibeamten Hubert in Bayern

Beitragvon macdet » Fr, 19 Okt 2007 3:32 +0000

Dies ist die Kurzgeschichte von dem
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[url=http://www.poli2.de/story/hubert.htm]Polizeibeamten Hubert in Bayern[/url]
, der von seinen Vorgesetzten kaputtgemobbt wurde.

Die Täter blieben bis zuletzt glaubwürdig und wurden nicht zur Verantwortung gezogen.
Hubert ist für mich glaubwürdig. Es lag nicht an ihm...

Seine Ehefrau Helga stand zu ihm. Helga hatte die Not ihres Mannes erkannt. Er litt unter der ungerechten Behandlung durch seine Vorgesetzten.
Sein Fall ist nachvollziehbar, doch wollten vorgesetzte Stellen anscheinend keine Motivforschung betreiben und vertrauten - wie so oft - blindlings den Angaben der Vorgesetzten von Hubert.
Helga gab ihrem Mann ein Glas „Gummibärchen“ mit dem Gedicht mit zum Dienst, um ihm zu zeigen, dass er sich die Sache nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte.
Hubert hatte eine sehr positive Berufseinstellung. Er musste als Sachbearbeiter durch Zuteilung seiner Vorgesetzten bei 12 Sachbearbeitern ca. 25 % der Vorgänge (immerhin ca. 1100 von 4000 Vorgängen pro Jahr) bearbeiten und fühlte sich überlastet.
Hubert begehrte auf, stieß auf Unverständnis und wurde krank. Man trat auf ihn symbolisch ein und brach ihn.
Hubert ist jetzt vorzeitig pensioniert worden.
Sicherlich ein Gewinn für die Organisation, die Gesellschaft ?!?


Dr. Weigerdich´s Anti-Mobbing-Dragees

Fast so wie im Psychothriller Stürzt sich auf Dich der Friedenskiller. Schon auf dem Dienstweg ins Büro Macht ein Gedanke Dich nicht froh. Die Arbeit schaffst Du ganz perfekt, Doch gibt´s ein Spielchen, sehr suspekt. Intrigen und die Herrschermacht, Sie rauben Dir so manche Nacht. Kollegen heulen mit den Wölfen, Da kann Dir nur noch eines helfen. Bevor Du schreibst „Mein letzter Wille“, Greif schnell zur Anti-Mobbing-Pille. Sie versüßt Dir jeden Tag, Auch wenn der Chef Dich gar nicht mag. Nimm´s nicht zu eng, sei cool und schlau Und hör auf Deine liebe Frau. Denn sie ist die, die Dich versteht, Wenn`s einfach so nicht weitergeht.
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Der Fall Kamiar M.

Beitragvon Tom » Di, 24 Jun 2008 3:07 +0000

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[url=http://www.taz.de/regional/nord/hamburg/artikel/?dig=2008%2F06%2F23%2Fa0041&cHash=68d3b8362b]Tageszeitung online am 23.06.2008:[/url]


Der Polizist Kamiar M. soll sich einmal bei Innensenator Udo Nagel über den Vorgesetzten Polizeidirektor Kuno Lehmann beschwert haben.
Lehmann war Vorgesetzter von Kamiar M.
Alsdann wurde gegen M. vorgegangen, was vor dem am Amtsgericht Blankenese unter Vorsitz der Richterin Venta Billen mündete.
M. habe sich durch den Ex-Innenstaatsrat Walter Wellinghausen vertreten lassen.
Im Raum stand der Verdacht der bad word Nötigung gegen den Polizisten Kamiar M. und eine Klage.
Kamiar M.s soll unter dubiosen Umständen im Polizei-Präsidium festgenommen worden sein.
Unter dem Vorwand, eine Gefährdeansprache abhalten zu wollen, soll ihn Polizeidirektor Kuno Lehmann am 12. September 2007 - zwei Tage nach der vermeintlichen Tat - nach Alsterdorf gelockt haben.
Kaminar M. meinte, dass er von Lehmann zu Kündigung gedrängt werden sollte.
Kamiar M. soll nicht einwilligt haben, und so hätten die Beamten des Mobilen Einsatz-Kommandos mit gezogenen Waffen und Infrarot-Visieren Lehmanns Büro gestürmt und nahmen M. fest.
Die Spezialpolizisten sollen gesehen haben, dass M. in T-Shirt und Jeans und ohne Waffe erschienen war, soll die Aktion der Festnahme im vollem Unfang durchgezogen worden sein.
Der gebürtige Iraner Kamiar M. musste sich vor allen Kollegen nackt ausziehen.
Bei M.s Vernehmung sollen die Beamten des „Dezernats bad word“ angenommen haben, seine Freundin Claudia R. habe ihn wegen der angeblichen bad word Nötigung verlassen und sei aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen.
Ein Beamter soll die Wohnung des Paares ohne Durchsuchungsbeschluss durchwühlt haben, und ohne R. darauf rechtlich hinzuweisen, dass es sich um eine förmliche Vernehmung handeln würde.
Notizen machte sich der Polizist über die Angaben nicht.
Als die Richterin Venta Billen von diesem Sachverhalt erfuhr, brach sie kurzerhand die Beweisaufnahme ab und schickte alle sieben weiteren Zeugen der Polizei nach Hause.

Anmerkung:
Ich meine, Mobbing
, Korruption, und Arbeitsschutz muss Wahlkampfthema werden.
Wählt nicht die CDU, SPD, die Bauernpartei CSU, oder die FDP, denn diese Parteien, deren Lobbyisten, deren Beziehungsgeflechte bis in Wirtschaft und Justiz, sind es im Grunde Schuld, weil sie zu wenig gegen die Missstände in Deutschland taten, so dass solche Fälle möglich werden konnten.

Gruss
Tom
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