Spielbank Wiesbaden - Krank durch Mobbing

In diesen Firmen wird gemobbt. Ich hoffe ich muss nun kein Backup einspielen!

Moderator: Moderatoren

Spielbank Wiesbaden - Krank durch Mobbing

Beitragvon macdet » Sa, 29 Dez 2007 10:59 +0000

Krank durch Mobbing! Wolfgang W. wurde jahrelang gemobbt. Heute ist er erwerbsunfähig und krank.

Limburg. Im Jahr 1991 war die Welt des Wolfgang W. noch in Ordnung. Damals arbeitete er bereits seit 15 Jahren als Croupier in einer Spielbank. Es gab gute Beurteilungen durch seine Chefs, und auch bei Veranstaltungen außer Haus wurde er eingesetzt; er war Vorsitzender des Betriebsrates und ehrenamtlicher Arbeitsrichter an einem Arbeitsgericht, er war verheiratet und er war zufrieden mit seinem Leben.

Heute bezieht der 59-jährige W. eine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente, er ist krank, er leidet unter Schlafstörungen, Depressionen, Panikattacken und posttraumatischen Belastungsstörungen. Er ist geschieden, seine Frau hat ihn verlassen.

Wolfgang W. sieht sich als Opfer von Mobbing durch seine Vorgesetzten. Über Jahre sei er systematisch schikaniert und unter Druck gesetzt worden, bis er schließlich im Jahr 2000 arbeitsunfähig krank wurde, sagt er. Begonnen habe das Mobbing, als 1991 neue Konzessionäre die Leitung der Spielbank übernahmen. Er sei aufgefordert worden, als Vorsitzender des Betriebsrates eine Krankenliste zu führen. Das habe er abgelehnt. Daraufhin wurde dem Betriebsrat mitgeteilt, dass er nicht mehr das Vertrauen der Belegschaft besitze. Bei den Neuwahlen trat W. nicht mehr an.

Er war inzwischen ehrenamtlicher Arbeitsrichter am örtlichen Arbeitsgericht und beschwerte sich bei der Geschäftsleitung, dass er vor den Gerichtstagen regelmäßig zum Spätdienst mit Feierabend um vier Uhr morgens eingeteilt wurde. Daraufhin erhielt er die erste Abmahnung. Dann wurde er von Platz 3 auf der Liste der Vertreter der Saalchefs abgestuft auf den vorletzten Platz 30. Erste gesundheitliche Probleme stellten sich ein, unter anderem Schlafstörungen.

Als Vertrauensmann der Gewerkschaft HBV (Handel, Banken, Versicherungen) war W. maßgeblich an einem dreiwöchigen Streik der Spielbankangestellten im Jahr 1996 beteiligt, er saß in der Streikleitung. Nachdem er einen Leserbrief an eine Lokalzeitung geschrieben hatte, erhielt er eine außerordentliche Kündigung, die später zurückgenommen wurde. Einen Psychologen, den die Geschäftsführung nach dem Streik einstellte, damit er den Betriebsfrieden wiederherstellen sollte, hält W. für einen Spitzel, der seine Schweigepflicht verletzte und Gesprächsinhalte an die Geschäftsleitung weitergab.

Seit Mai 1996 fühlte sich W. bei der Arbeit ständig überwacht. Immer stand ein Mitarbeiter hinter ihm, um ihn bei Fehlern zu ertappen. Wenige Monate später wurde er zum Vertrauensmann der Schwerbehinderten gewählt. Kurz darauf suspendierte man ihn vom Dienst, und zwar wegen angeblichen Lohnbetrugs, eine Kündigung folgte. W. klagte und gewann. Die Spielbank wurde verurteilt, ihn als Croupier weiterzubeschäftigen.

Inzwischen verschlechterte sich sein Befinden deutlich. W. beschreibt seinen Zustand so: „
Ich hatte Existenzängste, ich grübelte nur noch, ich fühlte mich wertlos und schuldig, ich sah alles nur noch negativ, ich wollte morgens am liebsten nicht mehr aufstehen. Ich litt unter ständigen Ängsten, wenn ich zur Arbeit ging. Ich konnte nicht mehr abschalten, dauernd musste ich an die Arbeit denken. In meiner Freizeit zog ich mich von meinen Bekannten und Freunden zurück. Ich wurde immer misstrauischer.
“ Weil seine Arbeit als Vertrauensmann boykottiert wurde, fühlte er sich „ausgegrenzt und diskriminiert“.

Wegen der angeblichen Beschwerde eines Ehrengastes erhielt W. drei Abmahnungen. Auf einer Betriebsversammlung wurde ihm vorgeworfen, „blau zu machen“. Die ersten Gedanken an einen Suizid tauchten auf. W. fühlte sich als Versager und hielt sich am liebsten zu Hause in einem abgedunkelten Zimmer auf. Ende 1998 wurde er das erste Mal wegen Depressionen und Angstattacken krank geschrieben und für einige Wochen in eine Klinik eingewiesen. „Ich war zu diesem Zeitpunkt absolut am Tiefpunkt angelangt.“

Er erhielt anonyme Anrufe, fühlte sich bedroht, wurde als psychisch krank beschimpft und erhielt laufend Abmahnungen. Als sich ein Kollege, der in der Spielbank einem ähnlichen Druck und Stress ausgesetzt war, das Leben nahm, gründete W. eine „Selbsthilfegruppe Mobbingbetroffener Croupiers“. Einen Verein, die „Initiative gegen psychosozialen Stress und Mobbing“, hatte er bereits zuvor gegründet. „Ich musste irgendetwas tun, um nicht ganz zu verzweifeln.“ Im Jahr 2000 wurde Wolfgang W. mit 52 Jahren in Frührente geschickt. (eeg)

Quelle
Benutzeravatar
macdet
Sehrvielmehrschreiber
 
Beiträge: 514
Registriert: Sa, 21 Jan 2006 9:10 +0000

Re: Spielbank Wiesbaden - Krank durch Mobbing

Beitragvon Rosenblut » Mo, 14 Jul 2008 7:16 +0000

Dieses Beispiel ist erschütternd, aber kein Einzelfall,

Auch ich bin durch Mobbing derart krank geworden, dass ich mit Ende 40 voll erwerbsunfähig bin.
Das Geschehen liegt einige Jahre zurück. Ich war glücklich, als ich eine befristete Anstellung im Diakoniewerk fand. Doch meiner ebenfalls befristet beschäftigten Kollegin war ich von Anfang an ein Dorn im Auge, weil ich trotz meiner Schwerbehinderung wesentlich besser qualifiziert war, zumal eine gut dotierte feste Position im Raum stand.

Tägliche verbale Anspielungen, z.B. dass mein lahmes Bein die Strafe Gottes sei und ein Arbeitsgebiet, das vor meiner Einstellung von 2 Sachbearbeitern, 2 Azubis und 1 Zivi bewältigt wurde. trugen dazu bei, dass ich völlig fertig war. Zu Dienstbesprechungen wurde ich nicht eingeladen, im Gottesdienst sahen sie weg, machten keinen Platz in der Kirchenbank und grüßten mich nicht.
Oft wurde "Tribunal" gehalten wegen angeblicher Fehler, die ich begangen haben sollte. Dies stellte sich in jedem Fall als Irrtum heraus. Es durfte in meiner Anwesenheit mit ausdrücklicher Genehmigung der Leitung geraucht werden, obwohl ich als Nichtraucherin um etwas Rücksicht bat. Folge: Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündung. Ich frage mich heute noch, warum ich mich nicht weitaus heftiger gewehrt habe, war es Angst oder auch die Gewissheit, dass der Vertrag nach einem Jahr auslaufen würde?

Nach diesem Jahr hatte ich den totalen Nervenzusammenbruch. Es stellten sich dann nach und nach folgende Erkrankungen heraus: Bluthochdruck, Venenschwäche, Augenerkrankung, ein gutartiger Schädelbasis-Tumor, schwere Depressionen, Panikattacken.

Ich kann bis heute nicht mehr fröhlich sein, frage mich immer und immer wieder, warum mir ausgerechnet in einer kirchlichen Einrichtung sowas angetan wurde. Wohlgemerkt, ich war nur gehbehindert, nicht mal Rollstuhlfahrerin, ansonsten organisch gesund und für alle Verwaltungstätigkeiten geeignet.
Nun bin ich Ende 40 und voll erwerbsgemindert. Die Arbeit war mein Leben, ich bin in ihr aufgegangen...
Benutzeravatar
Rosenblut
 
Beiträge: 0
Registriert: Mo, 14 Jul 2008 3:29 +0000
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Spielbank Wiesbaden - Krank durch Mobbing

Beitragvon Admin » Mi, 16 Jul 2008 2:14 +0000

Danke für deine Offenheit. Hier kannst du helfen! Ich hoffe wir können mal reden!
Benutzeravatar
Admin
Site Admin
 
Beiträge: 60
Registriert: Do, 12 Jan 2006 7:59 +0000

Re: Spielbank Wiesbaden - Krank durch Mobbing

Beitragvon Rosenblut » Di, 22 Jul 2008 5:00 +0000

[quote="Admin"]Danke für deine Offenheit. Hier kannst du helfen! Ich hoffe wir können mal reden![/quote]


Sehr gerne.
Gruß
Rosenblut
Benutzeravatar
Rosenblut
 
Beiträge: 0
Registriert: Mo, 14 Jul 2008 3:29 +0000
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Spielbank Wiesbaden - Krank durch Mobbing

Beitragvon Tom » Do, 27 Nov 2008 5:20 +0000

Die Wiesbadener Spielbank kommt einfach nicht zur Ruhe. Seit 1991 rumort es hinter den goldglänzenden Kulissen, 1991 übernahmen Wilfried Achterfeld, John Jahr Junior und die Gastronomen Roland Kuffler und Gerd Käfer das Wiesbadener Casino.
Da Achterfeld und Jahr Junior (von der Verlagsgruppe Gruner und Jahr in Hamburg) inzwischen verstarben, war eine Erbengemeinschaft an ihre Stelle getreten.
"Mit der Einstellung des neuen Geschäftsführers, Thomas Freiherr von Stenglin, vor viereinhalb Jahren hatten wir die Hoffnung auf ein besseres Betriebsklima verbunden", sagt Betriebsratschef Schmid. "Passiert ist aber gar nichts."
Geschäftsführer von Stengli meinte zu den Vorwürfen über Schikanen und Bespitzelungen, dass dies "Stimmungsmache einiger weniger Mitarbeiter" sei, und dann noch…
"Für Presseanfragen bin ich zuständig", sagte von Stenglin und beendete das Gespräch nach zwei Minuten.
Ein Personalbetreuer, der 2005 eingestellt worden war, schmiss nach sechs Monaten das Handtuch.
Einen seiner Berichte wurde mit den Worten überschrieben:
"Mobbing, Psychoterror und Diktatur, Tatort Spielbank Wiesbaden."
Als Verantwortlichen für den schlechten Führungsstil machte der Personalberater damals den technischen Leiter, Gerhard Schmulder, aus.
Dennoch sollen Croupiers vom technischen Leiter der Spielbank schikaniert und bespitzelt worden sein.
Mehrere Mobbing-Prozesse wurden eingeleitet.
Auf Nachfrage bestätigt Betriebsratsvorsitzender Rolf Schmid, dass mittlerweile mehr als 100 (!) Gerichtsverfahren zwischen der Arbeitnehmervertretung und der Geschäftsleitung geführt werden, weil beinahe täglich Mitbestimmungsrechte übergangenen werden.
Auf die Frage, ob er vom Mobbing-Klima in der Spielbank wisse, sagte Dezernent Bendel:
"Nein."
Es sei keiner der Mitarbeiter jemals auf ihn zugekommen.
Und er selbst besuche das Casino nie, um sich keinerlei Verdacht auszusetzen.

Frankfurter Rundschau online am 28.11.2008:
Das Wiesbadener Arbeitsgericht hat am 27.11.2008 klargestellt, dass der Betriebsrat der Spielbank zu Recht am 12.11.2208 von der Geschäftsleitung aufgelöst wurde.
Das Bundesarbeitsgericht hatte an diesem Tag bestätigt, dass die Arbeitnehmervertretung mit neun Mitgliedern zu groß geraten sei.
In Betrieben mit 200 Mitgliedern sei nur ein siebenköpfiges Gremium ohne zwingend freigestellten Vorsitzenden zulässig.
Der bisherige Betriebsratschef Rolf Schmid hatte den Beschluss inhaltlich nicht angezweifelt, sich aber gegen seine prompte Amtsenthebung gewehrt, die noch vor der Zustellung der Begründung ausgesprochen worden war.
Arbeitsrichter Jörg Krampe sagte indes:
"Bereits mit der Verkündung der Entscheidung tritt Rechtskraft ein."
Schmid müsse zu Recht seine bereits bezahlten Betriebsratsschulungen absagen und wieder am Roulettetisch arbeiten.
Henry Cerqua, Schichtleiter im Automatenspiel sagte, dass Neuwahlen erreicht worden sind.


Gruss
Tom

Code: Alles auswählen
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?em_cnt=1629728 Frankfurter Allgemeine online am 17.11.2008
Benutzeravatar
Tom
Site Admin
 
Beiträge: 467
Registriert: Fr, 07 Apr 2006 11:03 +0000


Zurück zu Hier wird gemobbt!

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast