Die Firmenbestatter

Firmen wie Siemens, Volkwagen, Opel etc. wo bereits Betriebsräte gekauft worden sind!

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Die Firmenbestatter

Beitragvon Tom » So, 21 Dez 2008 3:07 +0000

Über die Firmenbestatter wurde bereits im Blog informiert. Infos hier.

Die Bundesregierungen unternahmen gegen diese Machenschaften so gut wie nichts.
Die Staatsanwaltschaften waren mit der Aufklärung der Korruption und mit der Aufklärung der Banken- und Finanzkrise in Deutschland hoffnungslos überfordert.
Die Bundesregierungen stellten in nicht ausreichnder Weise ausgebildetes Personal bei der BaFin, in den Finanzämtern, und bei den Staatsanwaltschaften zur Verfügung.
Immerhin trat ein Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen am 01.11.2008 in Kraft.
Wer die Einhaltung des Gesetzes kontrollieren sollte, war schon deshalb unklar, weil das ausgebildete Personal nicht hinreichend zur Verfügung stand.
Änderung war nicht in Sicht.
Das Mobbing in den Unternehmen konnte sich ungehindert weiter ausbreiten, weil der Druck des Arbeitsverlustes auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zumindest gleich blieb, wenn nicht sogar noch stieg.
Der Kokurenzkampf um lukrative Jobs ging weiter.

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[url=http://www.paz-online.de/newsroom/regional/dezentral/regional/art3546,746402]Peiner Allgemeine online am 02.12.2008[/url]

In Krisenzeiten gab es immer wieder sogenannte Firmenbestatter, die aus der Not anderer Profit schlagen wollten.
Geworben wurde sogar mit Anzeigen.
Das Thema war auch in Peine aktuell.
Vier Fälle aus dem Baugewerbe wurden bekannt.
Solche Firmenbestatter bieten insolvenzbedrohten Firmen an, die GmbH mit allen Verbindlichkeiten zu übernehmen und den Geschäftsführer von seiner Haftung zu befreien
"Sie kaufen die Anteile einer maroden Gesellschaft für einen symbolischen Preis von einem Euro, lassen sich aber schwarz bis zu 20.000 Euro bezahlen", erläutert Rechtsanwalt Peitmann.
Ein neuer Geschäftsführer werde bestellt - oftmals ein Strohmann, der gar nicht in der Lage ist ein Unternehmen zu führen.
In einem "Verwirrspiel" werden der Firmensitz verlegt, teilweise ins Ausland und mit fiktiven Adressen, sowie Unterlagen vernichtet.
Ziel sei die Liquidation der Gesellschaft an den Gläubigern vorbei, die komplett leer ausgehen.
"Der wirtschaftliche Schaden für Gläubiger, aber auch der volkswirtschaftliche Schaden sind immens", sagt Peitmann. "Mittelständische Betriebe, die eigentlich kerngesund sind, geraten durch diese verbrecherischen Methoden in große finanzielle Schwierigkeiten."
Aber auch Familien, die mit Hilfe einer Firma zum Beispiel ihren Traum vom Einfamilienhaus verwirklichen wollten, würden "vor einem Trümmerhaufen im wahrsten Sinne des Wortes stehen".
"Man kann nicht eindringlich genug davor warnen, sich auf diese scheinbar verlockenden Angebote einzulassen", warnte Rechtsanwalt Beil.
Was hier großmundig versprochen werde, sei rechtlich nicht einlösbar.
Weder gebe es eine risiko- und geräuschlose Liquidation einer insolventen GmbH noch könne sich der Geschäftsführer mit einer Veräußerung von einer bereits begründeten zivil- und strafrechtlichen Haftung "freikaufen".
"Das GmbH-Gesetz schreibt vor, dass der Geschäftsführer einer GmbH bei dem Vorliegen eines Insolvenzgrundes verpflichtet ist, unverzüglich beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen", führt Beil aus.
Komme der Geschäftsführer seiner gesetzlichen Pflicht nicht nach, mache er sich gegebenenfalls wegen Insolvenzverschleppung strafbar.
Durch die unterlassene Antragstellung werde zugleich auch zivilrechtlich die persönliche Haftung gegenüber den Gläubigern des Unternehmens mit der "Durchgriffshaftung" begründet.
Der geschlossene "GmbH-Entsorgungsvertrag" diene einzig dem Zweck, die Gesellschaftsgläubiger zu schädigen, indem man ihren Zugriff auf das Vermögen vereitele oder wesentlich erschwere.
"Verträge mit solchen Firmen können daher als sittenwidrig und unwirksam festgestellt werden.
Von dieser Unwirksamkeitsfolge wird dann auch die Bestellung des neuen Geschäftsführers erfasst.
Der alte Geschäftsführer bleibt weiterhin verantwortlich und haftbar."
Im Zweifelsfall sollte professioneller Rat eingeholt werden.
Am 01.11.2008 wurde das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen in Kraft.
Danach müssen zukünftige Gesellschaften Pflichten erfüllen:
So muss im Handelsregister eine inländische Geschäftsadresse angegeben sein, unter welcher die GmbH erreichbar ist.
Hat die Gesellschaft keinen Geschäftsführer mehr, so sind die Gesellschafter selbst verpflichtet, bei Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung einen Insolvenzantrag zustellen.
Die Insolvenzantragspflicht kann durch "Abtauchen" der Geschäftsführer nicht mehr umgangen werden.
Geschäftsführer, die Beihilfe zur Ausplünderung der Gesellschaft durch die Gesellschafter leisten und dadurch die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft herbeiführen, werden stärker in die Pflicht genommen.
Die Ausschlussgründe für Geschäftsführer werden um Verurteilungen wegen Insolvenzverschleppung, falscher Angaben und unrichtiger Darstellung sowie Verurteilungen auf Grund allgemeiner Straftatbestände mit Unternehmensbezug erweitert.
Wer sich auf Geschäfte mit einem "Firmenbestatter" einlässt, kann heute nicht mehr darauf hoffen, der Vorgang bliebe unentdeckt.
Mehrere Landeskriminalämter haben bereits in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt besondere Ermittlungsgruppen eingerichtet, um diese Formen der organisierten Insolvenz-Kriminalität gezielt zu bekämpfen.
"Spätestens nach Stellung des Insolvenzantrages landet der Vorgang auf dem Tisch des Staatsanwalts", sagt Rechtsanwalt und Notar Jürgen Beil, Vorsitzender des Peiner Anwaltvereins.
"Die Staatsanwaltschaften reagieren glücklicherweise jetzt immer schärfer", erläutert auch sein Anwaltskollege Ulrich Peitmann.
In Betracht kommen vor allem Insolvenzverschleppung, Gründungsschwindel, Beitragsvorenthaltung, Betrug, Subventionsbetrug, Hehlerei, Urkundenfälschung, Untreue oder Bankrott, zählt Peitmann auf.
"Kommt es anschließend zur Verurteilung wegen eines Bankrott-Delikts, wird gleichzeitig ein Berufsverbot als GmbH-Geschäftsführer ausgelöst, nicht selten auch ein Gewerbeverbot", führt Beil aus.
Seiner persönlichen Haftung gegenüber den Gesellschaftsgläubigern könne sich der Geschäftsführer selbst durch ein privates Verbraucher-Insolvenzverfahren mit anschließender Restschuldbefreiung nicht mehr entziehen.
Da seine Haftung durch eine unerlaubte Handlung begründet worden sei, unterliege sie nach den Bestimmungen der Insolvenzordnung nicht der Restschuldbefreiung. "Was am Ende steht, ist somit nicht die versprochene Rettung, sondern der endgültige Ruin."

Hier wieder ein Beispiel ... Der Firmenbestatter-Fall: Sanitätshauses Orthex GmbH aus der Sonnenallee in Neukölln (ehemalige Sanitätshaus Beyersdorf in Herne) (NRW)
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[url=http://www.pr-inside.com/de/gomopa-orthex-chef-dr-salim-s-r965435.htm]PR Inside online am 12.12.2008[/url]

Gegen den Geschäftsführer des Sanitätshauses Orthex GmbH aus der Sonnenallee in Neukölln, Dr. Salim S., hat die Staatsanwaltschaft Bochum (Nordrhein-Westfalen) ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung eingeleitet.
Das bestätigte Oberstaatsanwalt Wolfgang Dörsch.
Es geht um das ehemalige Sanitätshaus Beyersdorf in Herne, das im März 2008 von Dr. Salim S. als Orthex-Erweiterung übernommen wurde.
Nach nur sieben Monaten übergab Dr. S. das Sanitätshaus Orthex Herne an den Firmenbestatter und Dauerpleitier Dieter W. (65) aus Tauche (Landkreis Oder-Spree) in Brandenburg.
Der wiederum schaltete seinen Geschäftspartner Siefried L. (76) aus der Kurfürstenstraße in Tiergarten ein.
Am Ende gab es das Sanitätshaus nicht mehr.
Aber um so mehr Gläubiger und Patienten, die auf Krücken, Rollstühle, Wannenlifte oder orthopädische Schuhe warteten.
Oberstaatsanwalt Dörsch:
Im Zusammenhang mit dem Sanitätshaus in Herne liefen außer dem Verfahren gegen Dr. Salim S. noch vier Verfahren wegen des Verdachts des Betruges und Insolvenzverschleppung gegen Dieter W".
Eine Mitarbeiterin der Firma AIDA aus der Kurfürstenstraße in Berlin bestätigte: Ja, Herr W. hat sich an uns gewandt. Wir haben ihm bei seinem Sanitätshaus in Herne geholfen.
Wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft feststellte, gehörte Dieter W. zu den 36 Komplizen von AIDA-Chef Siegfried L., gegen die seit August 2007 ein Berliner Großverfahren wegen gewerbsmäßiger Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßiger Untreue in wechselseitiger Tatbeteiligung in insgesamt 274 Einzelfälle eingeleitet wurde.
Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin stellte fest, dass gegen L. bereits eine Abschlussverfügung getroffen worden sein soll.
Gegen den Hauptbeschuldigten Siegfried L. wurde Haftbefehl erlassen.
Er wurde am 29.08.2007 auch vollstreckt.
Doch aus gesundheitlichen Gründen wurde der Haftbefehl gegen Siegfried L. im September 2007 außer Vollzug gesetzt, so Generalstaatsanwaltssprecher Michael Grunwald.
Seit dem ist Siegfried L. auf freiem Fuß.
Am 25.03.2008 trat Siegfried L. offiziell aus der Juricon GmbH aus, gegen die sich das Großverfahren in der Hauptsache richtet.
Sechs Tage zuvor, am 19.03.2008, hatte Siegfried L. seinen neuen Wirtschaftsdienst AIDA gegründet und führte die Geschäfte aus der alten Adresse in der Kurfürstenstraße in Tiergarten weiter.
Dort meldete sich am 15.10.2008 Dieter W. als Liquidator der Firma BauInvest GmbH Cottbus an.
Einen Tag später, am 16.10.2008, kreuzte Dieter W. auf, um von Dr. Salim S. die Schlüssel des schlingernden Sanitätshauses Orthex Herne zu übernehmen.
Dieter W. Soll dann die Kündigungsschreiben verfasst haben.
Und weiter:
Sie sollen schon zwei Tage später im Postkasten der Mitarbeiter gelandet sein.
W. sollte den Standort Herne wohl ohne Imageschaden für Orthex abwickeln.
Die letzten Kündigungen sollen mit Ws Namen versehen gewesen sein; unterschrieben im Auftrag von einer Frau B
Die Berliner AIDA Wirtschaftsdienste soll schon des Öfteren bei der Abwicklung von Firmen mit Dieter W. zusammengearbeitet zu haben, so schien es.
Frau B. Soll in Sachen Herner Sanitätshaus mit W. in Geschäftsbeziehung gestanden haben.
Man prüfe derzeit im Auftrag Ws die Wirtschaftskraft des Hauses.
Den Insolvenzantrag sollte schnellstmöglich beim Amtsgericht Bochum gestellt werden. Ein Antrag, der die Umbenennung der Herner Orthex-Tochter in Sanitätshaus Herne Sodinger Str. GmbH vorgesehen haben, habe vorgelegen.
Die AIDA Wirtschaftsdienste sollen im Internet damit geworben haben, bei der Abwicklung einer insolvenzbedrohten Gesellschaft durch eine schnelle, rechtssichere und kompetente Übernahme der Gesellschafteranteile zu helfen.
Als Vorteile für den bisherigen Eigner werde unter anderem genannt:
eine Schadensbegrenzung, die Existenzsicherung und Ihren Namen aus einer Insolvenz herauszuhalten.
Und weiter:
Die neue EU-Insolvenzordnung eröffne interessante Perspektiven, die viel Unheil ersparten.
Je mehr Zeit für eine Verlagerung ins Ausland zur Verfügung steht, desto größer sei der Spielraum, der sich zum Vorteil des bisherigen Geschäftsführers auswirke
Diese Art der Betreuung im Falle drohender Insolvenz wird von Juristen auch als Firmenbestattung bezeichnet.
Diese ist legal, wenn der neue Eigner sich einem Insolvenzverfahren stellt, wie von AIDA Wirtschaftsdienste angekündigt.
Herr Wieck stellt sich dem Gesetz, so Sachbearbeiterin B.
Weder Geschäftsunterlagen würden verschwinden noch der Insolvenzantrag nicht gestellt werden.
Offen sei allerdings die Frage, wo das Insolvenzverfahren eröffnet werde.
Dies könne wohl nur in Bochum (Sitz der Gesellschaft) oder Frankfurt/Oder (Sitz vom neuen Gesellschafter) sein.
Am letztgenannten Ort, so ein fachkundiger Beobachter, dürfte es ein Insolvenzverwalter wegen der fehlenden örtlichen Nähe schwerer haben, Licht ins Dunkel zu bringen.
Die Leidtragenden sind die insgesamt 32 Mitarbeiter, die buchstäblich auf der Straße landeten.
Außerdem beklagte der alte Beyersdorf-Inhaber Thomas Klering, dass Orthex seinem Vater, Peter Klering, für dessen Immobilie an der Bahnhofstraße in Herne 50.000 Euro Miete schuldig sei.
Man habe bereits Strafanzeige gestellt und die zwei Geländezufahrten mit Schlössern gesichert.
Hernes AOK-Chef, Wilfried Menke, empfahl den Kunden des Sanitätshauses, die noch auf genehmigte Hilfsmittel warten, sich bei ihrer Kasse zu melden.
Im Nebel um die Abwicklung des ehemaligen Herner Sanitätshauses Beyersdorf befürchtete der Dresdner Rechtsanwalt Jens Hänsch ein böses Ende für die Gläubiger. Dieter W. sei wahrscheinlich ein Scheingeschäftsführer des Herrn L .
Ihm seien mehrere solcher Personen bekannt, die sich gegen ein geringes Handgeld als Strohmänner der AIDA Wirtschaftsdienste bzw. der Vorgängerin Juricon für Firmenbestattungen zur Verfügung stellten.
Dabei seien die installierten Geschäftsführer meist mittellos, im Insolvenzverfahren sei bei ihnen nichts zu holen.
Hänsch: Die Gläubiger werden ins Leere laufen, weil sie Herrn W. schlichtweg nicht erreichbar sei.
Die AIDA sei da juristisch gesehen nicht Ansprechpartner.
Nach der Räumung der Herner Ladenlokale geht Hänsch davon aus, dass das Inventar schnell zu Geld gemacht und die Geschäftsunterlagen beiseite geschafft werden.
Im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree in Tauche im Ortsteil Görsdorf (200 Einwohner) in der Straße des Friedens landen die Gläubiger-Schreiben für die ehemalige Beyersdorf GmbH im Briefkasten von Dieter W.
Doch zu holen war nichts.
Der Neueigentümer W. soll zuletzt im Januar 2008 eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben haben, dass er zahlungsunfähig sei.
Bei Creditreform sollen mehrere Eidesstattliche Versicherungen und laufende Inkasso-Verfahren für den Geschäftsmann registriert sein.
Creditreform stuft W. in die Risiko-Klasse 6 'harte Negativmerkmale) ein.
Das Krediturteil von Creditreform lautet: Geschäftsverbindung wird abgelehnt.
Wie war W. in der Lage, das Stammkapital für eine GmbH aufzubringen?
Hat ihm Alteigentümer Dr. Salim S. die Gesellschaft etwa geschenkt?
Fragen, auf die es scheinbar keine Antworten gab.
Creditreform listet 27 Firmen auf, an denen die Person Dieter W. beteiligt bzw. bei denen sie leitend angestellt ist. Ob es diese Firmen noch gibt, ist unklar.
Im Herner Fall lieferte die von Orthex eingesetzte Buchhalterin im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung nun Indizien, die für den Straftatbestand einer Insolvenzverschleppung sprechen könnten. Seit August bereits hätten sich offene Rechnungen in einer Summe von rund 60.000 Euro angehäuft. Krankenkassen sollen wiederholt die Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen angemahnt haben. Das Finanzamt habe zuletzt die Umsatzsteuererklärung für die Monate seit Juli 2008 angemahnt. September-Gehälter seien nicht gezahlt worden. Einen Insolvenzantrag stellte Orthex bis zuletzt nicht. Das übernahm viel zu spät Pleitier Dieter W.


Anmerkung:
Ich meine, Bossing, Korruption, und Arbeitsschutz muss Wahlkampfthema werden.
Wählt nicht die CDU, SPD, die Bauernpartei CSU, oder die FDP, denn diese Parteien, deren Lobbyisten, deren Beziehungsgeflechte bis in Wirtschaft und Justiz, sind es im Grunde Schuld, weil sie zu wenig gegen die Missstände in Deutschland taten, so dass solche Fälle möglich werden konnten.

Gruss
Tom

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Bitte beachten Sie unbedingt die Gegendarstellung von Herrn S. Lang am Ende des Beitrages
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Re: Die Firmenbestatter

Beitragvon kreuzfeuer » Mi, 02 Sep 2009 6:10 +0000

Gewinner der Wirtschaftskrise Wenn Insolvenzverwalter Firmen übernehmen

Sie leben von der Pleite und profitieren von der Krise, die Insolvenzverwalter. Wer mit ihnen zu tun bekommt, verliert meist viel Geld, ob Gläubiger, Schuldner oder Arbeitnehmer. report MÜNCHEN mit neuen Fällen aus dem deutschen Insolvenzalltag.

Von Ulrich Hagmann
Stand: 31.08.2009

Wir fahren nach Hamburg. Ehemals führende Mitarbeiter einer insolventen Spedition haben uns angerufen. Der Insolvenzverwalter hat die Belegschaft im Dezember zum weiter arbeiten aufgefordert, bevor er die Filiale dichtmachte. Im Juli gibt es immer noch Probleme mit der Auszahlung des Dezembergehaltes.

Holger Stolting, ehemaliger Niederlassungsleiter Beständig Hamburg: "Er zahlt ja einfach nicht, er bezweifelt das einfach."

Hans Joachim Schulz, ehemaliger Projektleiter, Beständig Hamburg: "Und wir reden hier von Summen für kleine Angestellte oder Arbeiter. Das kriegte man dann Mitte April - Mitte April das Dezembergehalt."
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report Video: Gewinner der Wirtschaftskrise: Wenn Insolvenzverwalter Firmen übernehmenSie leben von der Pleite und profitieren von der Krise, die Insolvenzverwalter. Wer mit ihnen zu tun bekommt, verliert meist viel Geld, ob Gläubiger, Schuldner oder Arbeitnehmer. report MÜNCHEN mit neuen Fällen aus dem deutschen Insolvenzalltag.

Der Stammsitz der Firma liegt in Bayern, deswegen kommt Insolvenzverwalter Frank Hanselmann aus Würzburg. Im Falle Schulz teilt er mit: "er habe bereits sein Bedauern zum Ausdruck gebracht."

Hans Joachim Schulz, ehemaliger Projektleiter, Beständig Hamburg: "Ich geh das mal moralisch an und sag, das ist doch alles unanständig, was da passiert."

Im Fall Stolting erklärt er: "dass derzeit unterschiedliche Rechtsauffassungen hinsichtlich der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit bestehen." Doch dann ändert der Verwalter plötzlich seine Meinung und zahlt nach langer Streiterei im Juli das Dezembergehalt.

Holger Stolting, ehemaliger Niederlassungsleiter, Beständig Hamburg: "Da sich an der Faktenlage nichts geändert hat, gehe ich davon aus, dass die Zahlung aufgrund der Recherchen von report MÜNCHEN erfolgt ist."

In diesem Falle ist das Amtsgericht Schweinfurt zuständig. Recherchen von report MÜNCHEN zeigen: in den letzten vier Jahren wurde der Großteil der Unternehmensinsolvenzen an die Kanzlei Fraas und Partner vergeben. Besonders häufig wird Frank Hanselmann bestellt. Allein in diesem Jahr hat er bis zum Juni neun Unternehmensinsolvenzen dazu bekommen. Das Amtsgericht Schweinfurt erklärt dazu auf Anfrage: "der Richter trifft seine Entscheidung in richterlicher Unabhängigkeit." An so manchem Gericht werden einzelne Verwalter und Kanzleien bevorzugt, der Insolvenzrechtler Prof. Paulus kritisiert diese Praxis unabhängig vom hier gezeigten Einzelfall.

Prof. Christoph Paulus, Lehrstuhl für Insolvenzrecht, Humboldt Universität Berlin: "Das ist eigentlich etwas was nach den Vorstellungen des Gesetzgebers eigentlich nicht gemacht werden dürfte. Das schließt nicht aus, dass die Erfahrung nach wie vor lehrt, dass in der Praxis das anders gehandhabt wird. Das ist nicht gut. Das soll so nicht sein."

Fall zwei: aus Nordrhein Westfalen erreicht uns die Zuschrift von Herbert Jungermann. Wir treffen Jungermann, seine Frau und seinen Anwalt. Der Unternehmer hat mit einer Baufirma auf Anraten des Anwaltes 2001 Insolvenz angemeldet. Weil die Auftragslage gut gewesen sei, gingen beide davon aus, dass die Firma schnell saniert werden kann. Doch der Insolvenzverwalter sah das anders.

Herbert Jungermann, Bauunternehmer: "Er hat zu mir gesagt, als er von dem Hof der Firma Ganshorn fuhr: 'Sie bekommen die Firma Ganshorn in 4 Wochen in einem Schuhkarton wieder zurück.'"

Auch der Notar Markus Postler, Anwalt der Familie Jungermann, kritisiert die Arbeit des Insolvenzverwalters.

Markus Postler, Notar: "Dass da ein Interesse an der Fortführung des Unternehmens und Sicherung der Arbeitsplätze bestanden hat, das muss ich eigentlich in Frage stellen von Anfang an."

Der Insolvenzverwalter Wilhelm Klaas widerspricht und kündigt Verleumdungsklagen an. Schriftlich teilt er mit: "er habe die Firma über mehrere Wochen fortgeführt". Außerdem habe er "mit allen bekannten potentiellen Übernahmeinteressenten Verhandlungen geführt", die wurden "von den Interessenten abgebrochen". Der Insolvenzverwalter sah keine Chance die Firma zu retten. Sechs Wochen nach dem Insolvenzantrag wird der Geschäftsbetrieb eingestellt, die 25 Angestellten entlassen, das Unternehmen liquidiert.

Prof. Christoph Paulus, Lehrstuhl für Insolvenzrecht, Humboldt Universität Berlin: "Derjenige, der in die Insolvenz geht, der wird als Loser angesehen. Der ist ein Verlierer. Der ist über Jahrhunderte übrigens bestraft worden, teilweise wie ein Dieb und deswegen ist er auch getötet worden, weil ein Dieb getötet worden ist. Begründung: er hat den Gläubigern das Geld gestohlen. Das haben wir noch irgendwie internalisiert und von daher ist es bei uns ganz besonders stark ausgeprägt, eben dieses Gefühl, als Schuldner ist man eigentlich der Böse und dann kommt der Verwalter, der gute Verwalter und der richtet das alles wieder her."

Wie Insolvenzverwalter durchgreifen, zeigt der dritte Fall. Aus Cottbus hat uns Jürgen Markert kontaktiert. Die Firma, für die er gearbeitet hat, ging 2001 insolvent. Der Insolvenzverwalter kassierte die Betriebsrentenversicherung. Markert verlor 10.867 Euro seiner Alterversorgung. Der Insolvenzverwalter überwies ihm letztes Jahr schlappe 32 Euro. Ansprüche aus dem Sozialplan.

Jürgen Markert: "Ich habe beim Arbeitsgericht in Cottbus 2001 geklagt, dort wurde mir gesagt, das Insolvenzverfahren ist noch nicht abgeschlossen und solange das nicht abgeschlossen ist, kann man auch kein festes Urteil fällen. Das Verfahren wurde ruhen gelassen. Jetzt ist das Insolvenzverfahren abgeschlossen und ich habe wieder beim Arbeitsgericht versucht zu klagen und plötzlich sagt man mir vor dem Arbeitsgericht, meine Klage ist unzulässig, das Verfahren ist abgeschlossen und ich kann gegen den Insolvenzverwalter nichts mehr tun und ich steh' jetzt da wie dumm."

Der Insolvenzverwalter ist Bruno Kübler. Schriftlich führt er aus: "als Interessensvertreter aller Gläubiger, war er verpflichtet so zu handeln." Juristisch korrekt, das nehmen die Verwalter in allen drei hier gezeigten Fällen für sich in Anspruch. Doch unabhängig von den hier gezeigten Fällen, weist der Verband der Insolvenzverwalter allgemein auf Schwachstellen des deutschen Insolvenzrechts hin.

Siegfried Beck, Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands: "Wir haben ein Kontrolldefizit in Deutschland, in der deutschen Insolvenzszene, leider zu beklagen. Es gibt keine Vorschrift wie der Verwalter sich zu verhalten hat, wie er seine Tätigkeit zu leisten hat. Es gibt aber leider auch keine Vorschriften darüber, keine gesetzlichen Vorschriften, wie ein Insolvenzgericht seine Aufsichtstätigkeit auszuüben hat."

Wenn sogar Insolvenzverwalter mehr Kontrolle verlangen, sollte die Politik reagieren. Doch das Thema ist laut Bundesjustizministerium derzeit nicht auf der Tagesordnung, obwohl in der Krise die Zahl der Insolvenzen steigt.

Quelle:Report München
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Gegendarstellung zum Beitrag „Tom“

Beitragvon macdet » Di, 01 Dez 2009 7:36 +0000

Offen gestanden, handelt es sich um eine Mischung bestehend aus Wahrheiten, Unwahrheiten und freien Erfindungen.

Natürlich gibt es schwarze Schafe – nur zu denen zählen wir nicht – weil wir eben nicht Hilfesuchenden vorgaukeln, dass mit Übertragung der Geschäftsanteile und Abberufung des Geschäftsführers alle Probleme gelöst sind. Dies haben wir auch unmissverständlich auf unserer Homepage dargestellt und ausdrücklich auf verbleibende Haftungsrisiken hingewiesen. Bei diesem Beitrag entsteht der Eindruck, dass der Autor sich zum Erfüllungsgehilfen eines Insolvenzverwalters oder von Insolvenzverwaltern gemacht hat und jede Fairness vermissen ließ.

Hätte der Autor diese elementarste Pflicht berücksichtigt, dann hätte er auf ein Urteil des OLG Karlsruhe vom 30.05.2009 zum Geschäftszeichen 15 AR 8/05 eingehen müssen. Nach diesem Urteil ist die Übernahme und Abwicklung, auch einer insolvenzbedrohten Firma, zulässig und rechtlich nicht zu beanstanden.

Es werden auch ausdrücklich Gründe genannt. Gründe, die der Autor ins Gegenteil verkehrt und damit dem Leser zu suggerieren versucht, dass die Übernahme und Abwicklung eines Unternehmens unzulässig sei. Im Übrigen müsste dem Autor bekannt sein, dass durch die Übertragung der Geschäftsanteile sich an der Gläubigerstellung nichts ändert, d. h., sie laufen deshalb nicht ins Leere, vor allem schon deshalb nicht, weil das Unternehmen bereits vor Übertragung in eine Schieflage geraten ist und nicht erst mit Übertragung die Negativsituation eintrat.

So betrachtet, ist das Ganze nur als negative Stimmungsmache einzustufen. Im Übrigen hat der Spiegel zum Thema „Insolvenzverwalter“ sich wiederholt dahingehend eingelassen, dass diese als die eigentlichen Firmenbestatter zu betrachten sind. Zu diesem Thema gab es auch mehrere ARD-Sendungen, die auf unserer Homepage abrufbar sind und in denen auf die kriminellen Machenschaften von Insolvenzverwaltern eingegangen wird.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Hat der Geschäftsführer vor Übertragung der Geschäftsanteile gegen bestehende Gesetze verstoßen, so bleibt er auch nach Übertragung der GmbH-Anteile in der Verantwortung. Insoweit können wir dem Autor nur beipflichten, wenn er die Gründe aufführt, die auf eine verbleibende Haftung des ausscheidenden Geschäftsführers verweisen.

Soweit das Sanitätshaus Orthex in Herne angesprochen wird, sind wir als Wirtschaftsberatungsgesellschaft durch den früheren Gesellschafter, Dr. S., angesprochen worden, bei der Abwicklung behilflich zu sein. Deshalb wurden auch ordnungsgemäß sofort alle erforderlichen Kündigungen ausgesprochen, damit die Mitarbeiter beim Arbeitsamt rückständige Löhne bzw. Gehälter geltend machen können. In diesem Zusammenhang wurde zeitnah ein Insolvenzantrag durch den neuen Geschäftsführer gestellt, weil dies gesetzlich vorgeschrieben ist.

Die angebliche Feststellung der Berliner Generalstaatsanwaltsschaft, dass Dieter W. zu den 36 Komplizen des AIDA-Chefs Siegfried L. gehöre, gegen den seit 2007 ein Großverfahren wegen gewerbsmäßiger Insolvenzverschleppung in 274 Fällen eingeleitet wurde, entspricht nicht den Tatsachen. Es gibt ein einziges Verfahren und dieses Verfahren ist eingestellt worden.

Das „Großverfahren“ hat sich auch nicht gegen die Juricon GmbH gerichtet, weil eine juristische Person keine Straftat begehen kann.



Um Licht ins Dunkel zu bringen, bedarf es auch keiner örtlichen Nähe zum Sitz der Gesellschaft, denn da die Gläubiger heute über das ganze Bundesgebiet verstreut sind, muss ein Insolvenzverwalter eh weiträumig arbeiten.

Soweit Herr Rechtsanwalt Hänsch „böse Befürchtungen“ hat, sind diese gegenstandslos, denn Herr Hänsch hat sämtliche Beiträge aufgrund einer Abmahnung aus dem Netz genommen.

Es ist unwahr, dass Herrn Hänsch mehrere Personen bekannt sind, die als sogenannte Strohgeschäftsführer für ein geringes Handgeld für Firmenbestattungen zur Verfügung stellen. Das alles sind gezielte Beiträge, die bewusst in Umlauf gebracht werden, vor allem von solchen Personen, die von ihrem Verhalten, welches in aller Öffentlichkeit aufs Heftigste kritisiert wird, abzulenken.

Völliger Blödsinn ist die Erklärung, dass die Geschäftsführer mittellos seien, da im Insolvenzfalle bei denen nichts zu holen sei. Haftungsschuldnerin ist die GmbH und nicht deren Geschäftsführer bzw. im Falle einer Aktiengesellschaft deren Vorstand. Ein Außenstehender muss den Eindruck gewinnen, ein Geschäftsführer haftet für sämtliche Verbindlichkeiten der GmbH, und wenn der Geschäftsführer über keine Mittel verfügt, dann müssten die Gläubiger leer ausgehen. Einen derartigen Unsinn kann nur der schreiben, der vom rechtlichen Sachverhalt keine Ahnung hat.

Zu uns kommen Rechtsanwälte und Steuerberater mit ihren Mandanten und der Unterzeichner ist seit mehr als 11 Jahren erfolgreich tätig und verfügt über erstklassige Referenzen.

Mit freundlichen Grüßen

AIDA Wirtschaftsdienste GmbH

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Re: Die Firmenbestatter

Beitragvon Kaufmann » Do, 03 Feb 2011 4:09 +0000

Der geheuchelte "Schriftsatz" des Herrn Siegfried Lang von der "Aida-Wirtschaftsdienste GmbH" entlarvt sich, wenn der interessierte Leser den Namen Dieter Wieck bei "www.gbi.de" (Handelsregister) eingibt. Dort erscheinen dann mehr als 150 übernahmen von GmbH's welche sämtlich der "Aida - Wirtschaftsdienste GmbH" zu zu ordnen sind. Wenn man dann noch weiter prüft, findet man ein regelrechtes "GmbH - Massengrab".
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Re: Die Firmenbestatter

Beitragvon JulianUSA » Do, 27 Okt 2011 2:06 +0000

Hmmm, ich habe irgendwie noch nicht verstanden, welchen Nutzen die "Firmenbestatter" aus einer Insolvenz ziehen können.

Kann man den ARD-Beitrag irgendwo nachschauen?

Ich komme aus dem Bereich Sportorthopädie und interessiere mich auch dafür, welche Fehler gemacht wurden, damit es nicht zu einer Insolvenz bei einer evtl. zukünftigen Firma kommt.

Viele Grüße, Jan
JulianUSA
 
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