Anwaltsempfehlungen

Alles rund um das Thema Mobbing, was nicht in die Thematik der übrigen Kategorien passt.

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Anwaltsempfehlungen

Beitragvon Annette Malottke » Mi, 15 Mär 2006 1:21 +0000

Die Gäste, die hier empfehlen, sind das eigentlich die Kanzleien selbst? Ich bin da offen und erkläre sofort: Ich bin auch Änwältin, Fachanwältin für Arbeitsrecht.

Wer einen Anwalt oder eine Anwältin sucht, sollte nicht nur auf Empfehlungen achten. Wichtig ist doch auch, ob die Kanzlei auf die Vertretung von Arbeitnehmetrechten spezialisiert ist. Wer noch im letzten und vielleicht auch im nächsten Monat den Arbeitgeber vertritt und von ihm bezahlt wird- kann der glaubwürdig zwischendurch gegen den Arbeitgeber auftreten?

Überregional empfehle ich das Netzwerk der Arbeitnehmer-Anwälte. Ihm gehöre auch ich an. Oder bei der zuständigen Gewerkschaft anrufen und fragen, mit wem die so zusammenarbeiten. Auch das sind oft gute Empfehlungen. In NRW erteilt auch die mobbing-hotline Auskünfte und empfiehlt spezialisierte Anwälte.:

Telefonnummer 0180- 33100113 Beratung an – neuerdings auch für Führungskräfte. Zuständig für den Notdienst ist Gottfried Richenhagen, Referatsleiter im Düsseldorfer Arbeitsministerium.

Nicht zuletzt sind viele Rechtsberatungen der Gewerkschaften mittlerweile sehr firm im Thema. Es muss nicht immer ein Anwalt sein. Maßgeblich sind
- Zeit
- Empathie
- Kenntnisse
- Erfahrungen
und was der/die Einzelne noch so wünscht..

Viel Erfolg,

annette
Annette Malottke
 

Beitragvon Gast » Mi, 15 Mär 2006 2:03 +0000

Hallo Annette,

herzlichen Dank für Deinen Beitrag und Deine offenen Worte sowie den Hinweis auf die Arbeitnehmer-Anwälte. Dieser kann sicher sehr vielen Mobbing-Betroffenen, die hier im Forum lesen, helfen.

Die bisherigen Anwaltsempfehlungen sind wohl mehr oder weniger durch "Mundpropaganda" zwischen Betroffenen zustandegekommen. Umso wichtiger ist es jedoch auch Hinweise - wie Deinen - direkt vom Fach zu bekommen.


Judge
Gast
 

Beitragvon Sibi » Fr, 17 Mär 2006 10:14 +0000

Hi Annette,

finde es ganz toll, dass Du Dich hier als Anwältin geoutet hast und auf die mobbing-hotline hingewiesen hast.

Ich teile Deine Auffassung, dass man die Arbeitnehmerseite nur dann glaubwürdig vertreten kann, wenn man stets die Arbeitnehmerseite vertritt.

Allerdings gibt es auch andere Stimmen, die behaupten, dass man beide Seite kennen muss, um die Stärken und Schwächen der jeweils anderen Seite zu kennen. Worin diese Stimmen genau einen Vorteil bei der Vertretung beider Seiten sehen, lassen sie jedoch offen.

Ich wünsche Dir viele erfolgreiche Mandate gegen Mobbing und würde mich freuen, hier weitere Postings von Dir zu lesen!


Sibi
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klasse

Beitragvon macdet » Sa, 18 Mär 2006 9:29 +0000

dem kann ich mich nur anschliesen!
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Beitragvon Tom » Sa, 01 Apr 2006 1:10 +0000

Hallo Frau Ra Malottke !

Kann so gesehen, muss aber so nicht gesehen werden !


Bei Mobbing nähert sich die Angelegenheit in die Richtung versuchter Nötigung oder gar Nötigung.
Nötigung deswegen, da der Arbeitgeber die Mobbing-Betroffenen mittels Mobbing "aus dem Arbeitsverhältnis nötigen" will.

Sicherlich sind hier arbeitsvertragliche Bedingungen zu beachten.
Das ist nicht die Frage.

Es ist die Frage, wie der Arbeitgeber mit den arbeitsvertraglichen Bedinungen umging, und ob hierbei Ordnungswidrigkeiten oder gar Straftatbestände eine Rolle spielten.

Ein sehr häufiger Verstoss findet sich im Bereich der Datenschutzgesetze oder der Arbeitsschutzgesetze oder der Schwerbehindertengesetze (z. B. SGB IX).
Hierbei ist oft die länderspezifische Gesetzgebung zu beachten.

Ob das den Arbeitsrechtlern immer so geläufig ist ?

Ich wage das zu bezweifeln, egal ob eine Vertretung von der Gewerkschaft gemeint ist, oder andere Arbeitsrechtler.
Die Kenntnisse über die Tarifrechte reichen halt überhaupt nicht aus.


Und wer einen Aufhebungsvertrag erwirken will, der braucht keine Anwälte oder Gerichte.
Da reicht ALGII.

Gruss
Tom
Tom
 

Strafrecht und ArbeitsrechtlerInnen

Beitragvon Annette Malottke » Di, 04 Apr 2006 7:49 +0000

Hallo Tom.

Sicher. Strafrecht spielt gerade bei Mobbing eine große Rolle. Es geht ja nicht nur um Nötigung sondern oftmals auch um Körperverletzung oder weitere Straftatbestände; Freiheitsberaubung, Beleidigung, Missbrauch, alles ist denkbar und kommt auch in der Mobbingpraxis vor. Insofern würde jemand, der sich "nur" im Arbeitrecht auskennt nicht reichen.

Meine Anforderungen an gute Arbeitsrechtlerinnen sind auch höher als dass sie sich allein im Arbeitsrecht auskennen: Arbeitsrecht kann man nur dann gut "machen", wenn man auch die Finessen des Zivilrechts kennt, auch des Gesellschaftsrechts und eben auch des Straf- sowie des Ordnungswidrigkeitenrechts. Das ist aber nichts ungewöhnliches. Im Arbeitsrecht braucht man immer wieder Kenntnisse des OWi- und des Strafrechts, die Arbeitsgesetze sind voll davon. Der Arbeitsschutz ist zum Teil strafbewehrt, zum Teil werden Verstöße als Ordnungswidrigkeiten geahndet. Gleiches gilt auch für das Berufsbildungs- und das Betriebsverfassungsrecht. Da macht sich dann doch bemerkbar, dass (noch) die JuristInnen eine breite Ausbildung erhalten und in allen Rechtsgebieten geprüft werden können.

Bei der Anwaltsauswahl wird man dies im vorhinein kaum einschätzen können, vieles wird sich im Laufe des Mandats erst zeigen. Deswegen sind ja Empfehlungen gerade bei Mobbing wichtig.

Meine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Gewerkschaften zeigt, dass es dort ein verstärktes Bewusstsein für Mobbing gibt, so dass der Rechtsschutz einfacher als früher gewährt wird. Es wird auch deutlich fundierter und sensibler beraten als früher (Ausnahmen mögen diese Regel bestätigen). Da wird auch schon mal Rechtsschutz auf AnwältInnen übertragen, weil die eigenen Rechtsschützer an das Verfahren nicht ran wollen oder meinen, es sei nicht zu gewinnen. Zu wissen, wo die eigene Kompetenz anfängt und - vor allem - wo sie aufhört und wer dann unterstützen kann, das ist doch eine deutliche Verbesserung zur noch vorhandenen Allmächtigkeitsphantasie des einen oder anderen Gewerkschafters.

Dass man für einen Aufhebungsvertrag keinen Anwalt und keine Gerichte braucht, sehe ich anders. Da ist mein Blick sicherlich durch den Beruf gelenkt. Es ist aber auch ein anderes, großes Thema, in das ich in diesem Forum nicht einsteigen mag.

Annette
Annette Malottke
 

Re: Anwaltsempfehlungen

Beitragvon macdet » Di, 12 Jan 2010 11:10 +0000

Ein guter Anwalt ist das A & O vor Gericht!

auf anderen Seiten findet man folgendes:

Falls der Mandant gesundheitlich nicht in der Lage ist, weiteren Druck von Arbeitgeberseite auszuhalten, sollte die Option "raus aus dem Konflikt", entweder mit ärtzlicher Hilfe über eine Zeit der Arbeitsunfähigkeit und/oder Rehabilitationsmaßnahmen oder im Wege des freiwilligen Ausscheidens diskutiert werden. Letzteres muss gegebenfalls mit der örtlichen Bundesagentur für Arbeit abgestimmt sein, der man einen wichtigen Grund für die Aufgabe des Arbeitsplatzes darlegen muss, um den Eintritt einer Sperrzeit beim Bezug von Arbeitslosengeld zu verhindern. Typischerweise wird dieser Weg vom Mandanten irrigerweise als Weglaufen oder Aufgeben empfunden. Hier hilft unter Umständen ein Hinweis auf die Verantwortung für die eigene Gesundheit oder fernöstlichen Kampfsport: im "Ju-Jutsu"bedeutet "Ju" nachgeben oder ausweichen und "Jutsu" Kunst oder Kunstgriff. Ju Jutsu ist demnach die Kunst, der Kraft des Gegners nachzugeben und sie somit ins Leere zu leiten.

Es ist sehr wichtig, sich bei Mobbing oder Bossing sehr schnell anwaltlich beraten zu lassen, denn frühzeitig können noch viele Weichen gestellt werden. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte besuchen regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen, um auf dem aktuellen Wissensstand zu sein und so die optimale Beratung und Vertretung aller Mandanten zu gewährleisten. Je länger gewartet wird, desto verfahrener und rechtlich schwieriger wird oftmals die Situation, da man als Betroffener in den seltensten Fällen die rechtliche Bedeutung von einzelnen Übergriffen erkennen, auswerten und rechtlich gesichert dokumentieren kann.

Hier ist typisch, daß den Mobbing-Betroffenen ihre Ziele und Handlungsmöglichkeiten meist unklar sind. Wesentlicher Teil der Mobbingberatung ist daher die Klärung der individuellen Ziele und die Erarbeitung der Handlungsalternativen. Möchte der Mandant um jeden Preis in der Firma bleiben? Möchte er einen anderen Arbeitsplatz? Findet er einen anderen Arbeitgeber? Will er sich selbständig machen? Erst, wenn dem Mobbing-Betroffenen klar wird, was seine Ziele sind und über welche Handlungsmöglichkeiten er tatsächlich verfügt, ist es ihm möglich, selbst zu agieren und nicht nur als Mobbing-Opfer reagieren zu müssen.

Bislang gab es auch öfters Schwierigkeiten, dem Vorgesetzten vorsätzliches Handeln nachzuweisen ("fahrlässiges Mobbing" gibt es nicht). Das LAG Thüringen hat in seinem Urteil vom 28.06.2005, Aktenzeichen 5 SA 63/04 eine Beweiserleichterung geschaffen. Der Vorsatz des Täters soll sich danach regelmäßig auf die psychosoziale Destabilisierung des Opfers erstrecken. Auf deutsch: wer schikaniert, will den anderen psychisch und sozial schädigen

Je komplizierter die Beweislage und Rechtslage ist, umso wichtiger wird die individuelle Beratung und das Coaching des Mandanten. Nach der Aufnahme des Sachverhaltes und der rechtlichen Analyse schliesst sich daher an die Frage nach den Zielen des Mandanten und seinen Handlungsalternativen.

Wichtig ist an dieser Stelle die Zusammenarbeit des Rechtsanwalts mit dem Hausarzt. Es macht z.B. keinen Sinn, einen arbeitsunfähig erkrankten Arbeitnehmer an den Arbeitsplatz zu schicken, um auf Arbeitgeberseite "Druck aufzubauen". Druck baut sich dann nämlich auch beim Arbeitnehmer auf, was fast immer eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes zur Folge hat.

Anwaltliche Schreiben und Unterlassungsaufforderungen, oft als Allheilmittel angepriesen, erzeugen ebenfalls Druck auf den Arbeitgeber, der naturgemäß oft wiederum Gegendruck auf den Arbeitnehmer erzeugt. Der Mandant muss hierauf hingewiesen werden und mental stark und gesundheitlich fit genug sein, eventuellen Gegendruck auszuhalten. Im fortgeschrittenen Mobbing-Stadium ist das häufig nicht mehr der Fall.

Wenn der Mandant "aus der Schussbahn" des Vorgesetzten ist, ist der Zeitpunkt für anwaltliches Handeln günstig. Druck auf den Arbeitnehmer kann kaum noch ausgeübt werden. Ich empfehle meinen Mandanten die Anschaffung und Vorschaltung eines Anrufbeantworters, um Telefonanrufe des Arbeitgebers nicht annehmen zu müssen. Jetzt kann der Rechtsanwalt rechtliche Schritte einleiten.
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