11,6 Millionen Dollar Schadensersatz wegen geschlechtsbezogener Belästigung

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11,6 Millionen Dollar Schadensersatz wegen geschlechtsbezogener Belästigung

Beitragvon Tom » Sa, 06 Okt 2007 4:30 +0000

DER SPIEGEL berichtete am 06.10.2007 online über einen Fall in den USA. 11,6 Millionen Dollar Schadensersatz wegen geschlechtsbezogener Belästigung wurden Anucha Browne Sanders, früher leitende Angestellte der "New York Knicks", in einem aufsehenerregenden Prozess zugesprochen.
Ihre Beschwerden an die Geschäftsleitung des "Madison Square Garden" wurden mit Drohungen, Erpressungen und schließlich mit einer Kündigung beantwortet.

Die hochgewachsene ehemalige Basketball-Nationalspielerin, bis vor kurzem eine der erfolgreichsten schwarzen Frauen im US-Sport-Business, war einst Marketing-Chefin beim New Yorker "Madison Square Garden". Browne Sanders' Schwierigkeiten begannen, als Isaiah Thomas im Dezember 2003 den Posten als Coach der sportlich schwächelnden Knicks übernahm und den notorisch selbstgefälligen Stephon Marbury als neuen Kapitän und Star der Mannschaft mit nach New York brachte.
Ab diesem Zeitpunkt, so sagte Browne Sanders aus, habe sich im "Madison Square Garden" das Betriebsklima verändert.
Für Browne Sanders schien der Glamour-Palast tägliche Folterkammer gewesen zu sein.
Ein gänzlich "unzivilisiertes" Klima habe dort geherrscht, sagte sie während des Prozesses aus, geprägt von alltäglicher, durch die Chefetage sanktionierter, geschlechtsbezogener Belästigung.
Browne Sanders geriet schnell mit beiden Männern, dem Ex-Star und dem neuen Star, aneinander.
Die Avancen, die Thomas der Marketing-Chefin machte, wurden rasch sehr direkt:
Der Coach gestand der verheirateten Mutter dreier Kinder seine Liebe und forderte sie laut Browne Sanders' Aussage im selben Atemzug dazu auf, mit ihm "das Betriebsgelände zu verlassen", um "ins Bett" zu gehen.
Als er abgewiesen wurde, habe Thomas mit wüsten Beschimpfungen reagiert:
Sie sei eine "Bitch" und eine "Ho", eine Nutte, soll Thomas seiner Kollegin an den Kopf geworfen haben.
Während des Verfahrens versuchte Thomas sich zu rechtfertigen, indem er erklärte, "unter Schwarzen" seien derlei Beleidigungen "weniger gravierend".
Das kam freilich einem Schuldeingeständnis gleich.
Den Zorn von Spieler Marbury zog sich Browne Sanders zu, weil sie sich weigerte, seiner Familie Freikarten für die teuren Sitzplätze im "Madison Square Garden" zu verschaffen. Daraufhin befand auch Marbury, dass Browne Sanders eine "black bitch" sei.
Ebenso, als Browne Sanders sich weigerte, einem Cousin von Marbury, der als Praktikant in ihrer Abteilung arbeitete, nicht geleistete Überstunden zu bezahlen.
Dieses Bild einer mehr als fragwürdigen Unternehmenskultur wurde während des Verfahrens durch die Zeugenaussagen der Praktikantin Kathleen Decker noch verstärkt.
Decker, 22, erzählte im Zeugenstand, wie sie eines Tages von Marbury und seinem Cousin zum Besuch eines Striplokals eingeladen wurde.
Danach fuhr Marburys Cousin sie nach Hause in ihr Studentenwohnheim, wo Marbury mit seinem Wagen bereits auf sie wartete.
"Steigst du ein oder nicht?", soll der Sportler die verschüchterte Studentin gefragt haben.
Decker fügte sich - und kann deshalb keine Klage wegen Vergewaltigung einreichen.
Dafür, dass die im "Madison Square Garden" vorherrschende misogyne Sportlerkultur keine Erfindung von Browne Sanders war, wie die Verteidiger von Thomas und Dolan behaupten, sprach offensichtlich ein weiterer Fall, derin Manhattan vor ein Geschworenengericht zu verhandeln war.
Darin klagte Courtney Prince, die ehemalige Vortänzerin der "Rangers"-Eisprinzessinnen, von Angestellten des "Madison Square Garden" sowie von "Rangers"-Spielern regelmäßig geschlechtsbezogen belästigt worden zu sein.
Prince sagte während des Browne Sanders-Prozesses aus, dass sie regelmäßig gebeten wurde, mit den "Garden"-Chefs sowie deren Geschäftsbesuchern auszugehen, sich dabei "die BHs auszustopfen" sowie "explizit über ihre Anatomie" zu reden.
Einige der Manager hätten Prince bei diesen Gelegenheiten Wunschlisten mit den Namen junger Tänzerinnen zugesteckt, auf denen sogar bestimmte geschlechtsbezogene Praktiken vermerkt gewesen seien, die sich die Vorgesetzten wünschten.
Isaiah Thomas, so Prince, habe sie außerdem darum gebeten, in der Pause während der Heimspiele der Knicks mit den Schiedsrichtern zu flirten.
Als Courtney Prince sich über diese Praktiken bei der Geschäftsleitung beschweren wollte, erging es ihr letztlich wie Browne Sanders - sie verlor ihren Job.
"Garden"-Besitzer Tom Dolan behauptete allerdings, der Grund für Browne Sanders Entlassung sei nicht gewesen, dass sie sich beschwert habe, sondern dass sie versucht habe, die interne Untersuchung der Vorfälle durch Zeugenbeeinflussung zu manipulieren.
Die Einschüchterungspolitik von "Garden"-Besitzer Tom Dolan und seines Chief Operating Officers Steve Mills verfehlte ihr Ziel.
Vielmehr trieb sie Browne Sanders vor Gericht und lenkte somit die Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit darauf, dass Frauen im Geschäftsleben noch immer nicht vor Erniedrigung und Diskriminierung sicher sind.


Frau Browne Sanders sagte rückblickend im Prozess aus, dass es krude Avancen des Isaiah Thomas, früher Basketball-Star, heute Coach der erfolglosen Knicks, gab, die aber "nicht so schlimm" gewesen sein.
Noch schlimmer empfand es Browne Sanders, dass ihre Beschwerden über Thomas' Verhalten von der Geschäftsleitung des "Madison Square Garden" mit Drohungen, Erpressungen und schließlich mit einer Kündigung beantwortet wurden.


Happiger Fall !
Würde mir wünschen, dass bei einem derartigen Fall in Deutschland ebenfalls soviel Millionen EURO für die Betroffenen zugesprochen werden könnte.
Aber wenn ich mir die Schmerzensgeldliste anschaue, die in Deutschland bei geschlechtsbezogener Nötigung oder Belästigung anstehen, ist nur noch lächerlich.
Der Schdensersatz hingegen ist häufig vom Gehalt abhängig.



Gruss
Tom
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