Ex-Siemens-Managerin Sedika Weingärtner

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Ex-Siemens-Managerin Sedika Weingärtner

Beitragvon macdet » Mi, 20 Jan 2010 8:06 +0000

Mobbing-Prozess Nürnberg Ex-Managerin verklagt Siemens

Es ist der größte Mobbing-Prozess, der jemals in Deutschland verhandelt wurde: Eine ehemalige Siemens-Managerin klagt vor dem Arbeitsgericht in Nürnberg gegen ihre Kündigung und fordert Schadenersatz in Millionenhöhe. Es ist der größte Mobbing-Prozess, der jemals in Deutschland verhandelt wurde: Eine ehemalige Siemens-Managerin klagt vor dem Arbeitsgericht in Nürnberg gegen ihre Kündigung und fordert Schadenersatz in Millionenhöhe.

Die 45 Jahre alte Betriebswirtin geht gerichtlich gegen den Siemens-Konzern vor, um ihre Weiterbeschäftigung zu erzwingen. Vor dem Arbeitsgericht in Nürnberg erklärten beide Parteien nach Angaben eines Gerichtssprechers, sie seien zu einer außergerichtlichen Einigung bereit. Die Verhandlung soll am 17. März fortgesetzt werden.

Die Klägerin kam 1991 als alleinerziehende Mutter von drei Kindern aus Afghanistan in die Bundesrepublik und heiratete einen Deutschen. 2001 stieg sie als Betriebswirtin im mittleren Management bei Siemens Industry in Nürnberg ein. Eigenen Angaben zufolge wurde sie in ein Mini-Büro gesetzt, wo niemand mit ihr sprach. Stattdessen sei sie von Kollegen als "Araber", "Dreck" und "Walross" beschimpft worden. Durch diese Umstände habe sie einen psychischen Zusammenbruch erlitten und sei in einer Klinik behandelt worden, berichtete die Frau.

Siemens: Nazi-Vergleiche führten zur Kündigung

Im Juni 2009 wurde ihr schließlich gekündigt. Als Grund gab der Konzern an, die 45-Jährige habe in mehreren E-Mails an den Siemens-Vorstandschef Peter Löscher ihren direkten Vorgesetzten als "Frauen- und Ausländerhasser" beschimpft. Zudem habe sie ihr Leid mit dem der Juden während der NS-Diktatur verglichen. Diese Äußerungen hätten schließlich zur Kündigung geführt, so Siemens Industry.

Ausländisch, weiblich, Siemens-Managerin - Sedika Weingärtner war leitende Angestellte des Konzerns. Jetzt verklagt sie ihren Ex-Arbeitgeber auf zwei Millionen Euro Schadenersatz für angebliches Mobbing.

Die Multi-Kulti-Thesen von Siemens-Chef Peter Löscher vom Juni 2008 konnten niemanden überraschen, der die Biographie des Österreichers kannte. Löscher, der über 20 Jahre lang in internationalen Konzernen unterwegs war, sagte seinerzeit in einem Zeitungsinterview, dass ihm der Konzern zu weiß, zu deutsch, und zu männlich sei. "Eindimensional", befand der Manager damals. Was er sich für die Zukunft wünsche: Mehr Ausländer im Spitzenmanagement, mehr Frauen, mehr Farbe, mehr von allem.

Zu diesem Zeitpunkt fühlte sich eine Mitarbeiterin, die eigentlich all das verkörperte, was Löscher forderte, schon seit Jahren gemobbt. Sedika Weingärtner, 45 Jahre alt, gebürtige Afghanin, seit vielen Jahren schon in Deutschland, war innerhalb des Konzerns weit gekommen. Als Einkaufsmanagerin begann sie 2001 bei Siemens in Nürnberg. Im Jahr darauf, berichtet die Frau, habe es mit den Mobbing-Aktionen begonnen. Die Einkäuferin hatte sich nach ihren Angaben sowohl als Frau als auch als Ausländerin von ihren Vorgesetzten diskriminiert gefühlt. Sie sei isoliert, mit besonders viel Arbeit überhäuft und als Ausländerin beschimpft worden. Man habe in ihrer Anwesenheit Männerwitze erzählt; irgendwann sei sie krank geworden und nach einem Zusammenbruch im Büro beinahe gestorben, sagt sie.

Im Juni 2009 wurde sie von Siemens entlassen - wegen angeblicher Verharmlosung des Holocausts. Vor dem Landesarbeitsgericht Nürnberg verlangt sie nun rund zwei Millionen Euro als Ersatz für körperliche und materielle Schäden. Eine stolze Summe, selbst wenn es sich tatsächlich um Mobbing gehandelt hätte, geben auch bayerische Arbeitnehmervertreter des Konzerns zu bedenken. Tatsächlich ist es der größte Mobbing-Prozess, der jemals in Deutschland verhandelt wurde - und er könnte, je nach Ausgang, Siemens nicht nur viel Geld kosten, sondern auch Peter Löschers Traum von einem internationaleren, weiblicheren Siemens ankratzen. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück. "Das Unternehmen duldet keinerlei Diskriminierung", heißt es in einer Stellungnahme in München. " Möglichen Verstößen wird konsequent nachgegangen." ... Anm.: das kenne ich ich nu zu gut "Mobbing in der Autostadt, keinesfalls"

In Arbeitnehmerkreisen erinnert man sich gut an die frühere Kollegin. "Sie war häufig beim Betriebsrat unterwegs", heißt es. Zum Fall Weingärtner will man hier nichts sagen. Nur so viel: Üblich sei Mobbing nicht bei Siemens, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Auch, weil es regelmäßig Treffen von Betriebsrat und Unternehmensvertretern gebe, um Mobbing-Fälle rechtzeitig aufzuspüren und gegen sie anzugehen.

Die Kündigungsschutzklage hat das Landesarbeitsgericht Nürnberg nun auf den 17. März vertagt; dann sollen auch die zunächst ausgeklammerten Mobbing- Vorwürfe verhandelt werden, hieß es bei der Kammer.

Eine Annäherung an den Fall Sedika Weingärtner ist schwierig. 1991 kam sie als Alleinerziehende mit drei Kindern aus Afghanistan nach Deutschland. Sie habe das Land verlassen müssen, weil sie politisch verfolgt war, sagt sie damals. Zuvor hatte sie in der Hauptstadt Kabul als Fernsehjournalistin gearbeitet - seitdem wisse sie, wie Medien funktionieren, heißt es. Sie kam nach Nürnberg, heiratete einen Deutschen, lernte Deutsch - und war wohl das, was man integriert nennt. Dass sich der Konflikt zwischen ihr und dem Unternehmen in den vergangenen Jahren so sehr zuspitzte, hatte selbst Kollegen irritiert - und auch die Konzernspitze. Offenbar war es eine Eskalation - auch der Worte. Laut einem internen Brief, der der SZ vorliegt, soll die Managerin ihren direkten Vorgesetzten in einer E-Mail an Konzernchef Löscher als "unterbelichteten Frauen- und Ausländerhasser" beschimpft haben. In einer Mail an Löscher vom 5. Februar 2009 habe sie sich beschwert und dabei unverhältnismäßig drastische Holocaust-Vergleiche angestellt, wie in der Konzernspitze zu hören ist. Diese Äußerungen hätten schließlich zur Kündigung geführt, erklärte ein Sprecher.

Das Problem ist: Ob und wann genau Diskriminierung und Mobbing stattgefunden haben, ist nur schwer belegbar. In der Regel sind langwierige Gutachten erforderlich, um ein Urteil zu ermöglichen. "Bei Siemens ist Mobbing extrem hart definiert", heißt es bei Arbeitnehmervertretern. Daher werde es nicht leicht sein, die Mobbing-Vorwürfe belegen zu können. Die Ex-Mitarbeiterin verlangt nun über eine Million Euro allein an Schmerzensgeld. Dazu kommen Vermögensschäden.

Autor: Thomas Fromm

Quellen und <Hinweise:
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http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:ex-managerin-verklagt-siemens-wegen-mobbings/50063094.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,673030,00.html
http://www.br-online.de/studio-franken/aktuelles-aus-franken/siemens-nuernberg-mobbing-klage-2010-kw03-ID1263993757487.xml
http://www.friesrae.de/rechtsanwalt_fries_thomas_nuernberg.html
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Re: Ex-Siemens-Managerin Sedika Weingärtner

Beitragvon JFranzot » Fr, 06 Aug 2010 11:45 +0000

Der sprengende Punkt für mich ist der Nazi-Vergleich.

Ich beschäftige mich seit Jahren mit Mobbing und sehe eindeutige Parallelen zwischen den Diktaturen (nicht nur der NS) und der oligarchischen Gesellschaft, die die Entstehung von Mobbing begünstigt. Es gibt eine Schicht von Personen, die sich als "Unsere Leute" versteht und die "Anderen" als rechtsloses Fußvolk betrachtet. Schon Freud hatte in Totem und Tribu auf solche Entwicklungen hingewiesen, die anscheinend selbst in den Polynesischen Inseln zu finden sind. Auch in der Zoologie spricht man von Alpha- und Omegatieren. Hitlers "Leute" waren die Arier, Stalin bevorzugte die dem Regime Angepassten, die DDR ließ die Denunzianten vorankommen und Schwarz-Gelb kennt die "Leistungsträger".

Der Rest war/ist Pack, und setzt sich aus nicht lebenswerten Lebewesen zusammen, die man nur tolerierte, wenn sie der jeweiligen Kerngruppe nützlich waren. Die selbsternannten Alphatiere bilden mehrere informelle Zellen, die einen eigenen Sprachgebrauch benutzen, und damit beim ersten Kontakt die Zugehörigkeit zur Oligarchen-Klasse signalisieren. Solche geflügelten Sätze sind z.B. "wer arbeiten will, der findet sofort eine Stelle", "wenn man mit jemandem unzufrieden ist, kann man heute nur aufs Kleingedruckte schauen und etwas gegen ihn konstruieren" (die 4 Maultaschen, z.B.), "In Deutschland herrscht schon Sozialismus", "Das Erste, was ich von meinen Mitarbeitern verlange, ist Loyalität". Die Parallele zum Davidstern, zum Haß gegen die "Rotfront" und zur Kadavertreue "für Volk und Führer" sind nicht zu übersehen.

Daher meine ich, wenn bei jemandem die Nerven beim Nazi-Vergleich blank liegen, dann ist ein solcher Vergleich erst recht nicht unbegründet. Das Kind wird beim Klauen von Marmelade ertappt und schimpft auf die böse Mutter.

Ich bestreite gar nicht, dass es bei Siemens die Treffen zum Thema Mobbing gab, hege nur den Verdacht, dass es dabei nicht ums "ob" sondern ums "wie" ging.
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