Typischer Fall von Mobbing

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Typischer Fall von Mobbing

Beitragvon Tom » Mi, 12 Mai 2010 10:46 +0000

Typischer Fall von Mobbing

B. ist 50 Jahre alt, hat der Firma seit Jahrzehnten treu gedient, war selten krank und kennt sich auf vielen Arbeitsgebieten gut aus. Ein „Allrounder“, wie man so sagt, einer, der alles kann und sich auch nicht zu schade ist für die weniger beliebten Arbeiten.
Wenn nicht der Geschäftsvorstand eine Umstrukturierung vorgesehen hätte, um der Firma eine neue Ausrichtung zu geben. Eine „zeitgemäße“ Ausrichtung. Eine „zukunftsweisende“ Ausrichtung. Eine Ausrichtung, in die der gute Mann leider nicht mehr hinein zupassen scheint. Zu alt, zu bescheiden, zu unspektakulär.

W. und F., zwei junge, dynamische Bewerber, sollen die Aufgaben des Alten übernehmen (und sie haben Gönner). Zwei Spezialisten, die gemeinsam das können, was B. alleine kann, nur jeweils viel besser. Heißt es jedenfalls.

Das Mobbing geht los ...
Zuerst erhält B. einen neuen Vorgesetzten. Der ist zwar inkompetent und (wie sich später herausstellt) kriminell, aber er verspricht, dass er W. plangemäß in sein künftiges Aufgabengebiet einarbeiten wird. B. werde von diesen Aufgaben „entlastet“. Dann werden B. die vertraglich zugesagten jährlichen Schulungswochenenden vorenthalten.

Als nächstes fängt man an, B.s Gesundheit anzuzweifeln. Hatte man zuvor noch mit seiner Kompetenz geworben, wirft man ihm plötzlich vor, seine Arbeit sei unterdurchschnittlich. Und um diesen Stand auch nur zu halten, müsse man ihn ein halbes Jahr lang weiterbilden. Mindestens! Und selbst dann werde er das, was F. könne, nur sehr eingeschränkt schaffen. Und dies gefährde die Zukunftsfähigkeit der Firma.
Dass F. seine Ausbildung noch nicht abgeschlossen hat, und seine Zeugnisse allesamt von seinen Gönnern geschrieben wurden, dass W.s Einarbeitung viel teurer geworden ist als vorgesehen (und ein Ende ist nicht abzusehen) und dass B.s Arbeitsergebnisse darunter leiden, dass sein neuer Vorgesetzter ihn nicht seinen Fähigkeiten entsprechend einsetzt, verschweigt die Firmenleitung. Ebenso wie B.s 30-jähriges Firmenjubiläum.

F.s Gönner planen die Entlassung von B., obwohl der Vorstandsbeschluss für F.s Einstellung dies eigentlich ausschließt. B.s Schulungswochenenden wurden vertragswidrig gestrichen. B. soll plötzlich ein halbes Jahr Fortbildung nötig haben, obwohl die Firmenleitung noch kurz vor der Umstrukturierung zwei Wochen Schulung für ausreichend hielt.

Anhand von Geschäftsakten wurde nachgewiesen, wie wichtig und wertvoll B.s Arbeit für die Firma in der Vergangenheit gewesen war, auch für Auszubildende. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Rechtmäßigkeit einer Entlassung B.s höchst zweifelhaft wäre. Es wird belegen, dass B.s Gesundheit vorsätzlich schlechtgeredet wird. Es wird festgestellt, wieviel Auszubildende von dem „alten Mann“ noch lernen können, dessen Würde hier mit Füßen getreten wird.

Der Zufall hilft ...
Dann eine überraschende Wende. Die Finanzsituation der Firma wird aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage und W.s teurer Einarbeitung (und ein Ende ist immer noch nicht abzusehen) so prekär, dass die neue Firmenleitung in Absprache mit F.s Gönnern beschließt, F. doch nicht einzustellen. Der Job scheint gerettet.

Info vom 29.04.2010 von rheinraum-online.de

Gruss
Tom
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