Die Anzahl der Chòmeurs (Arbeitslose) in Frankreich wuchs rasant in den Jahren 1945 bis 1975 durch das Plattmachen der Stahl- und Kohlebergwerke, also einer industriellen Schlüsselindustrie, bei uns bekannt als Schwerindustrie. Die Folge war, dass die Arbeitslosenzahlen immer über 10 % lagen.
In Deutschland begann man ab 1975 die Stahlküchen zu schließen und im Tross die Kohlebergwerke zu schließen. Unterscheiden tun und taten sich nur die politischen Methoden in den Ländern.
In Frankreich sollten die neuen Arbeitsplätze für die Chòmeurs genau wie heute bei uns im Dienstleistungssektor entstehen, also bei den Versicherungen, Hotelketten, Banken, Hotelketten und Transport- und Energieunternehmen. Wobei bei uns durch die Chiprevolution und durch den Einzug der Computer in die Büros ab den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts dir Sektor Banken und Versicherungen nicht neue Arbeitsplätze schuf, sondern ebenfalls das Personal reduzierte und das Heer der Arbeitslosen radikal anstiegen ließ.
In Frankreich fand ebenfalls ein Absinken der Löhne in den typischen Marktfeldern statt, wie bei uns, nur das der Staat reagierte und den Smic (Salaire Minimum Interprofessionnel de Croissance) einführte, also den gesetzlichen Mindestlohn. Dieser wird Jahr für Jahr neu bestimmt, denn die Inflationsrate ist einer der größten Feinde des Smic, was bei uns in der Mindestlohndebatte generell noch fehlt. In Frankreich liegt heute der gesetzliche Mindeststundenlohn bei 8,27 Euro oder im Monat muss jeder Arbeitnehmer mindestens 1254 Euro brutto bekommen.
So hat Frankreich eine Zahl von 17 5 der Erwerbstätigen Franzosen, die mit dem Smic leben müssen. So arbeiten 50 % aller Kellner für den gesetzlichen Mindestlohn, im Einzelhandel sind es rund 33%. Die Zahl wächst ständig, denn durch die hohe zahl der Arbeitnehmer, die mit einem Arbeitsvertrag arbeiten, den man CDD (Contract à durèe dètermine) nennt, wonach man formlos bis zu sechs Monaten durch seinen Arbeitgeber gekündigt werden kann. Eine hohe Zahl der nach dem CDD beschäftigten jungen Franzosen werden dann natürlich auch noch nach dem Smic bezahlt, also dem Mindestlohn. Nun kann man mit den bekannten Tricks aus Deutschland endlose Arbeitsverhältnisse nach dem CDD (Sechsmonatsvertrag) als Arbeitgeber mit seinen Beschäftigten abschließen, so das jetzt ein großes Heer von Smicards, Mindestlohnjobbern entstanden ist, die niemals die Chance haben, in eine höhere Lohngruppe hineinzuwachsen, viele Linke sprechen deshalb schon von der Smicardisierung der Gesellschaft, also der Schaffung einer gigantischen Unterklasse, bekannt aus der dritten Welt und unserer Geschichte, den Taglöhnern.
Nun sind wir hier in Deutschland weit von solchen Grundsatzdiskussionen entfernt oder nicht mehr in der Lage, denn wir haben ja weder einen Smic, also den Mindestlohn, noch haben wir eine Bevölkerung die bereit ist, auf die Straße zu gehen.
In Frankreich will nun im Sommer der neue Sozialminister – so nennt man ehrlicher weise dort das Ministerium, zu dem auch das Ressort Arbeit gehört – Xavier Bertrand eine strukturelle Reform des
Arbeitsrechts angehen, was durch den neuen Präsidenten Sarkozy den Wählern versprochen worden ist. Begonnen hat das
Arbeitsrecht in Frankreich vor etwa 100 Jahren mit einem Gesetzeswerk das 12 Seiten umfasst hat, heute muss man sich durch einen Dschungel von 2600 Seiten und mehr kämpfen, um einen überblick zu bekommen. Von daher sind sich alle einig, Gewerkschaften, Linke und eben die neue Regierung um Sarkozy, das Grundübel für den Dschungel sind die 36 Arbeitsvertragsmöglichkeiten die noch mit 25 Ausnahmen erweitert werden können, also eigentlich nur etwas für Professoren an Universitäten, aber eben nicht für die 99,99 % der Arbeitnehmer. Doch in diesem Zusammenhang und dem bestehenden Grundkonsens aller gesellschaftlichen Gruppen zum Reformwillen, will nun der „kleine Napoleon“ Sakrozy erneut die Kündungsregelung ändern. Und was das heißt, haben wir ja erlebt, Frankreich war auf der Straße. Und wo ist eigentlich Deutschland, wo wir ja nicht einmal die Mindestvoraussetzungen haben, die man im Nachbarland verteidigen will?
Einen sehr guten und informativen Artikel zu dem Thema hat Stefan Brändle in der FR am 25.05.07 geschrieben und ist in der Rubrik Wirtschaftswelt erschienen, die Überschrift lautet sinnigerweise: Prekäre Lage.
Weitere gute Aufsätze und Informationen dazu sind im Mobbing-Gegner,
http://mobbing-gegner.de insbesondere von ergänzt um das wichtige Thema Korruption und Mobbing zu finden.