Mindestlohndebatte!

alles wo eine reine Zuordnung nicht möglich ist! :)

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Mindestlohndebatte!

Beitragvon harald » So, 04 Mär 2007 7:03 +0000

Hr. Müntefering will nun auch in Deutschland so was wie einen Mindestlohn einführen. Schön, könnte man sagen, doch was soll diese alberne Diskussion überhaupt? Mindestlohn in möglichst vielen Branchen, also wohl doch nicht für alle, meint der Minister für Arbeit und Soziales damit. Heißt das nun, das Grundgesetz ist aufgehoben, denn "alle Menschen sollten danach ja mal gleich sein" oder zumindest das gleiche Recht haben. Ja, aber nicht beim Mindestlohn, oder wie ist sonst bitte die Diskussion zu verstehen? Und das auch noch im Rahmen des AGG, also doch welche, die keinen Mindestlohn für ihre Arbeit bekommen und somit mal wieder diskriminiert werden?
Eigentlich geht es doch darum, dass man von seinem Lohn bei einer 40 Stundenarbeitswoche leben können muss. Also Ausgaben bestreiten muss und plus so etwas wie Minimumkultur genießen können sollte. Was bitte sind schon 900 Euro im Monat netto, wenn man Miete, Nebenkosten wie Strom usw.. Fahrkosten von und zur Arbeitsstelle, Kleidung, Nahrungsmittel und achja, Freizeit soll man ja auch noch haben und Vorsorge für das Alter muss man treffen und die Gesundheit ist heute auch nicht mehr für ein Euro zu haben, bestreiten können muss?
Übrigens wäre dass dann bei Arbeitslosigkeit ein ALG 1 von rund 540 Euro. Wo liegt da dann das Problem einen Mindestlohn für alle Arbeitnehmer zu beschließen, wenn man sich einfach mal an die Gesetze wie AGG und GG orientiert, werde Damen und Herren vom sozialdemokratischen Golfclub BRD?
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Beitragvon Tom » Mo, 05 Mär 2007 6:06 +0000

Hallo !


Der Mindestlohn hat Vorteile, der Mindestlohn hat Nachteile, der Mindestlohn reicht zum Leben nicht.

Darum geht es nicht, sondern darum, dass die Arbeitgeber einen Mindestbeitrag zum Sozialsystem leisten müssen.

Es kann nicht richtig sein, dass ein Arbeitgeber 0,5 EURO pro Stunde für eine HartzIV-Arbeitskraft zahlen möchte, und der Rest muss der Staat als Kombilohn (HartzIV) zum Arbeiten dazu zahlen.


Schön wäre es, wenn die Arbeitgeber auf Heuschreckenabzocke und Korruption verzichten könnten, dann wäre auch genug Geld in der Lohnkasse um die Lohntüte der Arbeitnehmer zu füllen.

Aber gegen Heuschreckenabzocke und Korruption in den Betrieben und den Behörden wurde und wird zu wenig unternommen.
Hier verplemperte der Staat und die Betriebe Millarden EUROs.

Die Erlöse der Korrupties und der Heuschrecken wanderten auf Auslandskonten.
Und hier sind unter anderem die Probleme zu suchen.


Nur geändert wird nix.
Wieso wohl ?


Gruss
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AGG heißt Mindestlohnpflicht

Beitragvon harald » Mo, 05 Mär 2007 8:15 +0000

Hallo Tom,
danke für deine Hinweise. Doch das Problem geht tiefer. Einmal muss der Staat sich doch an seine eigenen Gesetze halten, dazu gehört doch auch das AGG, oder? Diskriminierung muss ausgeschlossen sein, das hat die EU gefordert. In der EU gibt es mehrere Staaten die einen generellen Mindestlohn haben und keiner von denen ist Exportweltmeister. Die Mindestlöhne liegen um die 7,35 - 9,36 Euro und zwar für alle Tätigkeiten in diesen Ländern, an denen wir uns ja nun mal Messen lassen müssen, England, Frankreich, Belgien usw. Warum also nicht in Deutschland? Ob nun Auto waschen, oder Haare schneiden, ob nun Straße kehren oder Ausstellungen bewachen, jeder hat ein Recht auf seine Würde nach dem GG und das kann mit dem Diskrminierungsgesetz (AGG) eingefordert werden. Nach Zahlen heißt das, 500 000 bis 1 000 000 Arbeitnehmer sind davon betroffen. Und bitte nicht wieder Regelungen mit Zulagen über Kombilohn oder sonstige Bürokratien. Wir haben Finanzämter, die greifen bekanntlich die Steuer über die Lohnsteuerkarte ab, liegt der Lohn unterhalb, muss das Finanzamt eingreifen, egal wie.
Nun zu Hartz IV, hier muss nun endlich der Schritt kommen, also zu einem wirklichen Arbeitslosengeld II, ohne Kontrolle, ohne Diskriminierung usw. In Berlin klagen alleine 1500 Bürger um Hartz IV vor den Sozialgerichten, teilweise mussten die im Jahr 2006 1 1/2 Jahre auf ihren Prozess warten, schon das alleine verstösst gegen das AGG. Und warum haben sie geklagt, was läuft ab in den Agenturen? Erschreckend, du hast keine konkreten Ansprechpartner, du bekommst laufend falsch Informationen, es wird gelogen dass sich die Balken biegen. Der Grund dürfte vielfältig sein, mal ist es die blanke Dummheit, mal einfach Unwissenheit. Sicherlich, es gibt auch dort sehr gute Leute, doch die werden ja bekanntlich vom M.. oder der Dummheit erschlagen, dann sind wir wieder beim Anliegen des Mobbinggegners. Soll ich dir mal die Formblätter zum Antrag für Hartz IV zu faxen? Ich werde mein Formular Hr. Müntefering übergeben, eingerahmt in einem verrosteten Metallrahmen, das kann er sich dann im Büro aufhängen.
Nein, was hier in unserem Lande abläuft ist die Chinaisierung, doch die bemühen sich wenigstens im Reich der Mitte, dagegen anzugehen. Wir bejubeln in unserer ????, ja was nun bitte, jeden sozialen Rückschritt, warum bitte? Übrigens Thema Exportweltmeister, wir haben dort einen guten Nachbarn. Wen? Bekanntlich sind wir für Industriegüter die Nummer Eins, Afgahnistan ist das für Heroin. Alle Werte und Zahlen sprechen immer ein Sprache, man muss sie nur verstehen. Man könnte ja auch Weltmeister für soziale Leistungen sein, was dann heißt, man setzt seine finanziellen Mittel einfach nur sinnvoll ein.
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Gibt es keinen Zeilenumbruch

Beitragvon macdet » Di, 06 Mär 2007 8:57 +0000

auf deiner Tastatur?

Include this claim key in a blog post:

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Beitragvon Tom » Mi, 07 Mär 2007 3:26 +0000

Hallo !


Ich sah gestern im ZDF einen Beitrag zu HartzIV, Behörden, und Sozialgerichten.

Es stimmt, die HartzIV-Behörden stellen zu ca. 50% unrichtige bis falsche Bescheide aus, desgleichen gilt für die Widerspruchsbescheide.

Ermessensspielräume werden von den HartzIV-Behörden nicht mehr eingeräumt.
Wenn HartzIV-Empfänger die Vorschriften nicht kennen, kann das bedeuten, dass jemand nicht mehr genügend HartzIV-Geld bekommt.
z.B. zu grosse Wohnung:
Jeder HartzIV-Empfänger muss der Behörde nachweisen, dass er sich um eine HartzIV-gerechte Wohnung in geeigneter HartzIV-Grösse bemüht hat, - und das dauerhaft - .
Gelingt der Beweis nicht, wird das HartzIV-Geld von der Behörde gestrichen.
Die Betroffen werden obdachlos.

So gehts nicht !
Lasst uns aufstehn !
Demo am 01.05.2007, Tag der Arbeit !

Gruss
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Mindestlohn

Beitragvon Dagmar » Di, 13 Mär 2007 10:17 +0000

Ohne Mindestlohngesetz ist der Arbeitnehmerlohn im freien Fall. Ohne Mindestlohngesetz werden immer mehr Unternehmer die Aufstockung des Lohnes auf ALGII-Niveau ausnutzen, es wirkt wie eine breite Lohn-Subvention des Staates. Diese steigenden Lohn-Subventionierungen muss dann aber die Gesellschaft, also wir alle, aufbringen. Höhere Steuern? Umschichtungen?
Äquivalent hierzu hätten auch Kombi-Lohn-Modelle die gleichen Folgen.

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Es geht um mehr!

Beitragvon harald » Mi, 18 Apr 2007 10:53 +0000

Ich denke gerade bei der Mindestlohndebatte erkennt man den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik, insbesondere die Abgeordneten. Die hohe Anzahl der Lobbyisten kommt hier voll zum Tragen. Und neben dem Mondestlohn muss dann die Debatte zum Mindesteinkommen geführt werden und da muss dann Hartz IV gekappt werden, was ja die "Reformer" nicht wollen. Denn ein Mindesteinkommen,das eben die letzten 5 % der Gesellschaft schützt, heißt eben auch, es muss eine Mindestrente geben. Drei Zahnräder, die ineinander greifen sollen und müssen. Nur wer von den Parlamentariern hat den Mut dazu?
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Mobbing und Mindestlohn

Beitragvon Dagmar » Di, 01 Mai 2007 9:46 +0000

Ich bin für die Einführung eines Mindestlohns, weil Lohndumping nicht gerade ein gutes Arbeitsklima fördert - ein schlechtes Arbeitsklima aber kostet nur...
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Es geht um mehr

Beitragvon harald » Mi, 02 Mai 2007 5:44 +0000

Es geht bei der Debatte um noch mehr, nämlich um die Frage nach dem Mindesteinkommen und der Mindestrente, also der Grundversorgung eines Menschen, oder? Wir brauchen eine größere Front um darüber zu diskutieren und zu handeln. Warum gibt es gerade beim Exportweltmeister so viele Kinder die in Armut leben?
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Beitragvon Tom » So, 06 Mai 2007 12:10 +0000

Hallo !

Mindestlohn wäre schön, wenn es funktionieren würde.
Funktioniert aber nicht.

In Köln (NRW) haben die Friseure schon mal die Preise für Haarschnitte fett angehoben, und zwar kurz vor dem 01.05.2007.
Vorher: ca. 10 EURO
Jetzt: ca. 14 EURO und mehr.

Das macht eine Inflationsrate 40 % und mehr.
Wann gibt es denn 40 % mehr Lohn und 100 % mehr ALGII-Geld und ALG ?

Mehr Geld für die Angestellten gab es aber nicht, der Hungerlohn blieb gleich.
Die Chefs verdienen jetzt mehr.

Die Chefs warten jetzt auf den gesetzlich festgelegten Mindestlohn, z. B. wie im Hotelgewerbe in NRW.
Der Mindestlohn wurde hier auf ca. 5,50 EURO/Std. angeregt.

Ist der Mindestlohn beim Friseurhandgewerbe erst mal festgelegt, muss mit einer weiteren Verteuerung der Haarschnitte gerechnet werden.

Die nicht schwarz arbeitenden ALGII-Empfänger und die Arbeitslosen werden wahrscheinlich in Zukunft daran erkannt werden, dass sie lange Haare haben, weil sie sich den Haarschnitt nicht mehr leisten können.
Die Betroffenen wären demnach genötigt die Haare selbst zu schneiden, oder die Haare müssen von anderen kostenlos geschnitten werden.

ALGII-Empfänger und Arbeitslose, die in Zukunft dennoch mit einem gepflegten Haarschnitt herum laufen, stehen demnach bei den Beamten der ALGII-Ämtern und bei den Beamten der Bundesagentur für Arbeit sofort im Verdacht schwarz zu arbeiten, oder Schwarzarbeit unterstützt zu haben.


Lange Haare wären demnach in Zukunft ein Indiz für Schwarzarbeit, und die Bekämpfung der Schwarzarbeit könnte somit "effektiver gestaltet" werden.
Fragt sich nur, ob wir hier auf dem richtigen Weg sind, oder ob hier Diskriminierung betrieben wird.

Gruss
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Mindestlohn

Beitragvon Dagmar » So, 06 Mai 2007 8:05 +0000

haarige Argumente - stimme Harald zu, es geht um mehr, der Grundsicherung ohne staatliche Subvention. Ohne Mindestlohn werden Unternehmer das Lohnniveau des Arbeitsmarktes auch ohne wirtschaftliche Not immer weiter drücken - die Lohnaufstockung bezahlt dann der Staat. Und wer zahlt da am meisten ein? Übrigens gibt es auch Unternehmer, z.B. im Gebäudereinigerhandwerk, die einen Mindestlohn durchaus begrüßen, sich aber derzeit durch Lohndumping der Konkurrenz genötigt sehen, ebenfalls immer weniger Lohn zu bezahlen. Der Spruch "ansonsten gehen wir ins Ausland" zieht bei inländischen Dienstleistern jedenfalls nicht. Auch mancher arbeitslos gewordene Fleischer würde sicherlich einen deutschen Mindestlohn begrüßen, für den dann auch polnische Metzger in Deutschland offiziell arbeiten müßten.
Also Hoch lebe der Liberalismus? Und/Oder staatliche Subventionspolitik zur Lohnaufstockung (Kombi-Lohn)? Welch unternehmerische Möglichkeiten tun sich da auf...
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Wichtige Diskussion

Beitragvon harald » Mo, 07 Mai 2007 7:53 +0000

Hallo Dagmar und Tom,
ich denke, es gilt einen gesetzlichen Mindestlohn zu sichern, der muss durchgehend für Alle gleich sein. Erst dann kann man über Problembereich diskutieren, Haareschneiden, Putzjobs und so weiter. Entscheidet ist, kann man von seinem Lohn leben ohne irgendwo um Geld zu bettlen. Das war schon unter Bismarck eine heiße Diskussion, grechter Lohn und so weiter, die SPD muss mal ihr Geschichte verstehen.
Daneben muss es für Rentner, Studenten, Schüler und die sogenannten Hartz IV-Empfänger ein Mindesteinkommen geben. Liegt das Mindetseinkommen bei 700 - 800 Euro, was nicht viel ist, so muss ein Mindestlohn bei 1000 -1100 Euro liegen. Die Mindestrente würde dann so zwischen 800 - 900 Euro eingestuft werden.
Dein Fehler Tom ist, du beginnst bei der Cut & Go Diskussion, das sollte einfach beim Friseur nur ein Lückenfüller für Leerlaufzeiten sein, kommt aus wohl als Idee aus New York, da sitzen auch die Nagelpfelgestudios wohl am Straßenrand, wurde mir erzählt, war noch nicht dort.
Quatsch ist eine Kombilohndiskussion, also wieder dieser Etikettenschwindel. Danach soll der Unternehmer einen Teillohn bezahlen und der Staat stockt auf, im Grunde genommen Sozialhilfe. Wie sieht das dann in der Wirklichkeit aus, Du bekommst 450 Euro Lohn im Monat netto für Treppenputzen, dann zahlt der Statt noch 250 bis 350 Euro drauf, also über Hartz IV quasi. Doch dazu muss du zuerst mal einen Antrag stellen und und und. Noch cleverer ist der Unternehmer dann, der Dir sagt, du bekommst einen Euro Monatslohn und den Rest erhälst Du vom Staat, also 595,- oder 695,- Euro, und wieveil rente bekommen die dann eigentlich, oder hofft man auf einen frühes Ausscheiden?
Nur bitte, was soll der Qutasch, auch im Kombilohn muss es einen Mindestlohn geben, auch wenn die CDU immer mit dem líeben Gott per Brieftaube in Kontakt steht.
Nur bitte, wo ist da die Würde des Menschen geblieben?
Und nun die Frage, hat Gott auch Haare?
Tom, Cut & GO ist ein Sonderangebot, es gibt noch immer alle anderen Varianaten, nur was amchen eigentlich die, die keine Harre mehr haben? Vielleicht sind die an allem Schuld?
Nein, die Politik zeigt einfach ihre Unfähigkeit und es wird eh in Europa in 10 oder 15 Jahren neinen allgemeinen Mindestlohn geben.
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Beitragvon Tom » Sa, 19 Mai 2007 2:52 +0000

hallo !

Der Mindestlohn von 7,50 EURO/Std. (brutto) ist geeignet für Kinderarbeit !
Diesen Lohn erhielt ich bereits 1969, als ich Prospekte austrug !
Mit diesem Entgeld verdiente ich mir ein Zubrot zum Taschengeld !

Mir soll mal jemand vorrechnen, wie ich mit 7,50 EURO/Std. (brutto) auf ein Monatsgehalt kommen soll, damit ich wenigstens zu 50% eine Familie ernähren kann.
Es ist zu bedenken, dass eine sozial adäquate Unterkunft (+ Heizung/fliessend Wasser aus dem Wasserhahn/Strom) zu bezahlen ist.
Dazu kommt eine Familienversicherung, und die Fahrt zum Arbeitsplatz.
Die Kinder (meistens nur eins) müssen unter Umständen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fahren, was sich als zu bezahlende Monatskarte äussert.
Und eine Berufsausbildung muss auch noch her, sonst muss das Kind Kinderarbeit leisten und es bekommt nur Kinderarbeitslohn, in der Hoffnung, dass sich dies bis zur Rente irgend wann mal ändert.
Hinzu kommt Unterrichtsmaterial, sowie Bücher, und ein (meist kostenpflichtiger) Zugang zum Internet in der Bücherei.
Die 3-köpfige Familie benötigt sozial adäquate Kleidung (second-hand Kleidung aus der HartzIV-Klamottenkiste der HartzIV-Ämter ist in aller Regel ungeeignet).
Die Haare müssen geschnitten werden, und die Familie muss etwas zu Essen bekommen.
Schön wäre es, wenn zu Weihnachten und zum jeweiligen Geburtstag das Geld reichen würde, um Geschenke zu kaufen.
Die Ehefrau würde sich auch über eine kleine Aufmerksamkeit zu Muttertag freuen, wenn das Geld dafür übrig wäre, und die Ehefrau am Muttertag tatsächlich auch von der Arbeit frei bekommen könnte.


Ich würde eher sagen:
Mindestlohn 7,50 EURO/Std. (brutto) ja, aber Miete+Lebenserhaltungsunkosten um die Hälfte senken !


Gruss
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Das haben manche Probleme.

Beitragvon harald » Sa, 19 Mai 2007 8:28 +0000

Hallo,
die Anmerkungen von Tom sind natürlich richtig. Daher muss auf die teilweise dilettanitsch geführte Diskussion hingewiesen werden. Viele der Politiker verstehen einfach garnicht warum es geht.
Einmal wurde schon unter der Debatte "Kombilohn" der große Fehler gemacht, dass es auch hier einen versteckten Mindestlohn gibt, der definiert werden muss.
Warum? Der Kombilohn(K) ist die Summe aus Arbeitgeberlohn (L) -also dem Mindestlohn - und dem staatlichem Zuschuss(sZ) durch Hartz IV, Wie groß ist den nun der Arbeitgeberlohn hier? Ein Euro oder 100 Euro oder 400 oder 600 Euro im Monat? Und wie groß ist den der Kombilohn, damit ich leben kann, oder wenn ich die Rechnung von Tom lese, sein muss? Das konnte ich schon mit 10 Jahren, eine Formel zu verstehen, nämlich K = L + sZ. Und K muss so groß sein, dass ich ein Mindesteinkommen haben und mit Anzahl der Familielnmitglieder steigen. Für einen 20jährigen ohne Familie reichen wahrscheinlich 900 Euro netto für einen Monat aus, Doch was ist wenn er 25 Jahre ist, verheiratet und ein Kind hat?
So wird zum Beispiel doch das Kindergeld abhängig vom Einkommmen der Eltern bezahlt, wer viel verdient kriegt viel und wer den Kombilohn hat wird auch noch beim Kindergeld ärmer.
Nur ehrlich gesagt, solche Diskussionen hatten wir schon in der Bismarckära, da ging es um den gerechten Lohn, und nun diskutieren wir wieder nach 120 oder 130 Jahren und es folgen eigentlich nur noch dümmere Antworten als damals. Zumindest hatten die Politiker damals noch Courage, liebe Genossen von der SPD, denn da gab es sowas wie Sozialistengesetze, usw...
Lernen wir doch aus den Nachbarländern, was fällt uns da auf? England, Spanien, Frankreich und Schweden zum Beispiel haben nicht nur eine bessere Antimobbinggsetzgebung und sozialer Rechtssprechung in Schadens-und Schmerzengeldansprüchen bei Mobbingattacken, sondern eben auch einen Mindestlohn, und im Schnitt liegt der schon über 8 Euro.
Daher muss es klar sein, es geht gegen Mobbing, gegen Korruption für Mindestlöhne und -einkommen, auch Rentner sind Menschen und brauchen 900 Euro zum Überleben.
Das Kindergeld muss sich an den unteren Einkommensgrenzen orientieren und nicht an den Superverdienern.
Was wir nicht brauchen? Dummschwätzer und Korrumpels, Politiker mir hohen Nebenverdiensten und Schmiergeldmanager, die Kosten nämlich Jahr für Jahr Milliarden und ihre Schäden sind noch nicht einmal beziffert worden.
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Die Mindestlohnerfahrung in Frankreich, der SMIC

Beitragvon harald » Mi, 30 Mai 2007 1:11 +0000

Die Anzahl der Chòmeurs (Arbeitslose) in Frankreich wuchs rasant in den Jahren 1945 bis 1975 durch das Plattmachen der Stahl- und Kohlebergwerke, also einer industriellen Schlüsselindustrie, bei uns bekannt als Schwerindustrie. Die Folge war, dass die Arbeitslosenzahlen immer über 10 % lagen.
In Deutschland begann man ab 1975 die Stahlküchen zu schließen und im Tross die Kohlebergwerke zu schließen. Unterscheiden tun und taten sich nur die politischen Methoden in den Ländern.
In Frankreich sollten die neuen Arbeitsplätze für die Chòmeurs genau wie heute bei uns im Dienstleistungssektor entstehen, also bei den Versicherungen, Hotelketten, Banken, Hotelketten und Transport- und Energieunternehmen. Wobei bei uns durch die Chiprevolution und durch den Einzug der Computer in die Büros ab den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts dir Sektor Banken und Versicherungen nicht neue Arbeitsplätze schuf, sondern ebenfalls das Personal reduzierte und das Heer der Arbeitslosen radikal anstiegen ließ.
In Frankreich fand ebenfalls ein Absinken der Löhne in den typischen Marktfeldern statt, wie bei uns, nur das der Staat reagierte und den Smic (Salaire Minimum Interprofessionnel de Croissance) einführte, also den gesetzlichen Mindestlohn. Dieser wird Jahr für Jahr neu bestimmt, denn die Inflationsrate ist einer der größten Feinde des Smic, was bei uns in der Mindestlohndebatte generell noch fehlt. In Frankreich liegt heute der gesetzliche Mindeststundenlohn bei 8,27 Euro oder im Monat muss jeder Arbeitnehmer mindestens 1254 Euro brutto bekommen.
So hat Frankreich eine Zahl von 17 5 der Erwerbstätigen Franzosen, die mit dem Smic leben müssen. So arbeiten 50 % aller Kellner für den gesetzlichen Mindestlohn, im Einzelhandel sind es rund 33%. Die Zahl wächst ständig, denn durch die hohe zahl der Arbeitnehmer, die mit einem Arbeitsvertrag arbeiten, den man CDD (Contract à durèe dètermine) nennt, wonach man formlos bis zu sechs Monaten durch seinen Arbeitgeber gekündigt werden kann. Eine hohe Zahl der nach dem CDD beschäftigten jungen Franzosen werden dann natürlich auch noch nach dem Smic bezahlt, also dem Mindestlohn. Nun kann man mit den bekannten Tricks aus Deutschland endlose Arbeitsverhältnisse nach dem CDD (Sechsmonatsvertrag) als Arbeitgeber mit seinen Beschäftigten abschließen, so das jetzt ein großes Heer von Smicards, Mindestlohnjobbern entstanden ist, die niemals die Chance haben, in eine höhere Lohngruppe hineinzuwachsen, viele Linke sprechen deshalb schon von der Smicardisierung der Gesellschaft, also der Schaffung einer gigantischen Unterklasse, bekannt aus der dritten Welt und unserer Geschichte, den Taglöhnern.
Nun sind wir hier in Deutschland weit von solchen Grundsatzdiskussionen entfernt oder nicht mehr in der Lage, denn wir haben ja weder einen Smic, also den Mindestlohn, noch haben wir eine Bevölkerung die bereit ist, auf die Straße zu gehen.
In Frankreich will nun im Sommer der neue Sozialminister – so nennt man ehrlicher weise dort das Ministerium, zu dem auch das Ressort Arbeit gehört – Xavier Bertrand eine strukturelle Reform des Arbeitsrechts angehen, was durch den neuen Präsidenten Sarkozy den Wählern versprochen worden ist. Begonnen hat das Arbeitsrecht in Frankreich vor etwa 100 Jahren mit einem Gesetzeswerk das 12 Seiten umfasst hat, heute muss man sich durch einen Dschungel von 2600 Seiten und mehr kämpfen, um einen überblick zu bekommen. Von daher sind sich alle einig, Gewerkschaften, Linke und eben die neue Regierung um Sarkozy, das Grundübel für den Dschungel sind die 36 Arbeitsvertragsmöglichkeiten die noch mit 25 Ausnahmen erweitert werden können, also eigentlich nur etwas für Professoren an Universitäten, aber eben nicht für die 99,99 % der Arbeitnehmer. Doch in diesem Zusammenhang und dem bestehenden Grundkonsens aller gesellschaftlichen Gruppen zum Reformwillen, will nun der „kleine Napoleon“ Sakrozy erneut die Kündungsregelung ändern. Und was das heißt, haben wir ja erlebt, Frankreich war auf der Straße. Und wo ist eigentlich Deutschland, wo wir ja nicht einmal die Mindestvoraussetzungen haben, die man im Nachbarland verteidigen will?
Einen sehr guten und informativen Artikel zu dem Thema hat Stefan Brändle in der FR am 25.05.07 geschrieben und ist in der Rubrik Wirtschaftswelt erschienen, die Überschrift lautet sinnigerweise: Prekäre Lage.
Weitere gute Aufsätze und Informationen dazu sind im Mobbing-Gegner, http://mobbing-gegner.de insbesondere von ergänzt um das wichtige Thema Korruption und Mobbing zu finden.
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