Verletzungen der menschlichen Psyche

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Verletzungen der menschlichen Psyche

Beitragvon Klages » So, 08 Aug 2010 3:23 +0000

Verletzungen der menschlichen Psyche

Um zu verstehen, wie Stress, Trauma oder Mobbing auf den Menschen wirkt, ist es wichtig, die Entwicklung des Menschen in ihrer Gesamtheit zu sehen:

Menschen sind in ihrer Kindheit:

- unsozialisiert
- unkonditioniert
- erziehungsbedürftig
- offen und anfällig für positive und negative Einflüsse

Erfahrene Gewalt, Mobbing, extremer Stress hinterlässt Spuren:

- unterschiedliche Störungen in der Entwicklung
- Störungen in der Verarbeitung der Verletzungen in Abhängigkeit von der Schwere der Verletzungen
- Lebensbelastungen reproduzieren sich in bestimmten Fällen (Reinszenierung von Gewalt)
- Bindungsstörungen
- Persönlichkeitsstörungen

Bei der Betrachtung der Störungen durch Trauma und Stress, sind folgende Faktoren ebenfalls von Bedeutung:

- genetische Faktoren
- neurobiologische Faktoren und Prozesse
- individualpsychologische Aspekte
- individuelle Verarbeitungsprozesse

Im Falle von besonders schwerwiegenden Stressbelastungen durch erfahrene Verletzungen, können kriminelle Entwicklungen begünstigt werden.


Das menschliche Gehirn
ist in der Kindheit besonders leicht prägbar. Dies gilt für positive, wie auch für negative Einflüsse. Kinder sind in ihren frühen Entwicklungsphasen in hohem Maße erziehungsbedürftig und von Erziehung abhängig. Sie benötigen einen umfassenden Schutz- Schon- und Lernraum. Bestehen gravierende Mängel im Bereich der Erziehung, oder kommt es zu extremen Stressbelastungen und Traumatisierungen, hat dieses langfristige Folgen auf das Leben des heranwachsenden Menschen.

Kindheit folgt dem gesellschaftlichen Wandel
und ist somit starken Veränderungen ausgesetzt. Soziologen sprachen bereits im vergangenen Jahrhundert von einer „Verinselung der Lebenswelten“ für Kinder, d.h. das Kind hat immer weniger Spiel- und Lebensraum zur Verfügung, um die Welt selbständig zu entdecken. Lebensräume der Kinder waren früher nicht nur die hauseigenen Grundstücke und Gärten, sondern auch die Straßen, auf denen gemeinsam gespielt und die Welt erkundet werden konnte. Hauptsächlich durch den massiv expandierenden Autoverkehr, wurden die Kinder aus ihrem Lebensraum verdrängt. Durch die Ausgliederung der Erwerbstätigkeit aus dem eigenen Heim (Industrialisierung), musste Kindheit anders organisiert werden und die Kinder wurden aus dem familiären Umfeld ausgegliedert, die ersten Schulen entstanden. Im Jahre 1794 wurde in Preußen die Schulpflicht in die Verfassung aufgenommen.

Das Leben der Kinder wird in der heutigen Zeit zunehmend von den Erwachsenen koordiniert und kontrolliert, da eigene Erkundungen in der heutigen Zeit für Kinder fast ausgeschlossen sind. Fehlt diese Koordination und Organisation der primären Bezugspersonen (i. d. R. die Eltern) in hohem Maße, muss in bestimmten Fällen von Vernachlässigung ausgegangen werden.

Neben der Vernachlässigung von Kindern, gehört der körperliche und bad word Missbrauch zu den Risikofaktoren in der kindlichen Entwicklung. Ein extremes und besonders trauriges Beispiel von Misshandlung, war der Tod des erst zwei Jahre alten Jungen Kevin in Bremen. Misshandlungen haben viele Gesichter. Die Auswirkungen sind für das Umfeld manchmal nur schwer sichtbar, für die Eltern – soweit sie aufmerksam sind – allerdings deutlich. Es gibt Symptome für Kindesmisshandlungen, Warnzeichen, die darauf hindeuten, dass ein Kind bad word missbraucht wird.

Die Auswirkungen der unterschiedlichen Formen von Misshandlungen auf das sich entwickelnde Gehirn, sind vielfältig, teilweise schwerwiegend und bedürfen langfristiger Hilfestellungen beispielsweise durch therapeutische Maßnahmen oder Elterntrainings. Das Gehirn eines Erwachsenen ist weniger – allerdings nicht völlig resistent – gegenüber unterschiedlichen Formen von Stress und Traumatisierungen. Erwachsene haben ein größeres Bewältigungspotential, können sich eher selbständig Hilfe holen, um sich aus ihrer Situation zu befreien. Das schützt sie allerdings nicht vor den Auswirkungen extremer Stresssituationen, wie sie durch Mobbing hervorgerufen werden und auch nicht vor den Folgen extremer Traumatisierungen.

Kinder und Erwachsene entwickeln bestimmte Störungsbilder
Die häufig auftretenden und besonders einschneidend auf das Leben der Betroffenen wirkenden, sind die:
Posttraumatische Belastungsstörung und die Borderline Persönlichkeitsstörung. Ein Erklärungsmodell für die Ursachen der Erkrankung ADHS favorisiert Stressfaktoren des sozialen Umfeldes. Chaotische Familienstrukturen, Scheidung, Gewalt in der Familie und Alkoholmissbrauch sollen u. a. verantwortlich für die Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsstörungen sein.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass unterschiedliche Formen von Stress, durch Missbrauch, Vernachlässigung aber auch Mobbing, bestimmte Störungen bei Kindern und Erwachsenen hervorrufen.


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Klages
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Re: Verletzungen der menschlichen Psyche

Beitragvon Detective » Do, 23 Sep 2010 10:54 +0000

Entwicklung vom Tierquäler zum Mörder
"Brieffreundschaft" mit einem Serienmörder„Brieffreundschaft“ mit einem Serienmörder, lautet der Buchtitel. Sein Inhalt zeigt die Entwicklung vom Tierquäler zum Mörder. Abgespaltene Kindheitserlebnisse sind früh zu erkennen. Sie prägen ein Leben lang. Am Extrembeispiel eines Serienmörders wird die Struktur des Missbrauchs von Kindern deutlich. Mit der Autorin Petra Klages SPRACH EVA SASSEN.

Frau Klages, warum nahmen Sie Kontakt zu einem gefangenen Serienmörder auf?

Weil so gut wie keine qualitativen Forschungen über die Ursachen für derartige kriminelle Handlungen existieren. Daraus resultieren Defizite bei der Prävention, bei der Verbrechensaufklärung- und Bekämpfung. Aus diesen Gründen stehe ich in kontinuierlichem Kontakt zu unterschiedlichen Mördern und Serienmördern. Das FBI befragte 36 Serienmörder und machte erstmalig auf zahlreiche Parallelen in der Entwicklung vom Opfer zum Täter aufmerksam. Die frühe Zerstörung der kindlichen Psyche ist in der Regel die Basis für eine kriminelle Entwicklung, es kommen natürlich noch zahlreiche andere Dinge, wie beispielsweise Drogenkonsum in der Familie, ein gewalttätiger Vater und sehr häufig auch bad word Missbrauch des Kindes hinzu.

Heftige Gewalterfahrungen in der Kindheit sind ja leider häufig. Wie entwickelt sich ein Mensch zum Mörder?

Zum Glück wird nicht jeder Mensch mit einer von Gewalt geprägten Kindheit zum Kriminellen. Viele unterschiedliche Faktoren und Prozesse zählen als Ursache. Wenn ein Kind massiv durch extremen bad word Missbrauch traumatisiert wird, – möglicherweise mehrfach und über einen langen Zeitraum, - übersteht es das nicht unbeschadet. Das ist auch ein wichtiger Bestandteil meines Buches, „Brieffreundschaft“ mit einem Serienmörder. Die Verletzungen führen zu gravierenden Veränderungen innerpsychischer Verarbeitungsprozesse, zu einer Narbenbildung im Gehirn, zur Ausprägung von bestimmten Charaktereigenschaften. Sie machen den Menschen aber nicht zwangsläufig zum Kriminellen. Sie erhöhen jedoch das Risiko. Mitgefühl ist diesen jungen Menschen übrigens häufig völlig fremd. Gut für die menschliche Entwicklung ist immer eine intakte Bindung an die primären Bezugspersonen.

Psychologisch und kriminologisch fundiert, ist die Möglichkeit der Entwicklung vom Opfer zum Täter. Zum Beispiel wiederholt ein Gewaltopfer das Erlebte, „befreit“ sich von diesen Opfererfahrungen, indem jemand auf ähnliche Weise verletzt wird. Häufig sind die ersten Opfer Tiere, später sind es dann möglicherweise Menschen. Das macht es verständlich, warum Tatmuster bei Tierquälereien, Tiertötungen und menschlichen Opfern ähnlich sind. In meinem Buch zitiere ich aus den Briefen des Serienmörders, den ich Axel F. nenne. Er quälte erst Tiere, bevor er Menschen tötete. Der Schritt vom tierischen zum menschlichen Opfer ist klein. Tierquälerei ist also ein absolutes Warnsignal! Die Tierrechtsorganisation PETA klärt u. a. über diese Deliktsbereiche auf. Das Kind oder der Jugendliche fühlt sich durch diese Handlungen gut und mächtig, erstmalig erlebt er Kontrolle über eine von Gewalt erfüllte Situation und ist nicht mehr das Opfer. Freud (1926) hat das folgendermaßen formuliert: Wenn etwas Erlebtes nicht in gewünschter Weise geschehen ist, so wird es vernichtet, indem es auf andere Art wiederholt wird.

Narbenbildung im Gehirn, fehlendes Mitgefühl und Tierquälerei nennen Sie als Anzeichen. Bei Personen, die ihre Verletzung nach innen richten, kenne ich die Variante Narbenbildung im Gehirn mit epileptischen Anfällen als Folge, fehlendes Selbstwert-Gefühl und Selbstquälung.

Ein durch wiederholtes Erleben ausgelöstes Trauma kann Nervenzellen verändern. Die Folgen der Verletzungen der kindlichen Psyche sind Veränderungen der Strukturen und Funktionen des Gehirns. Es werden u. U. auch Abspaltungsprozesse oder radikale Verdrängungen – bestimmte Formen der Amnesie - verursacht. Bedeutsam ist der Verlust von selbst Erlebtem in Bildern, von emotionalen Erinnerungen und von Rückschlägen. Psychotisches Erleben kann durch die Aktivierung bestimmter Gehirnbereiche – z.B. des für Akustik zuständigen Schläfenlappens - ausgelöst werden. Die Strukturen und Prozesse des Gehirns werden durch die Verletzungen also teilweise „anders aktiv“, sind in einigen Funktionen eingeschränkt, geschädigt oder verändert.

Schildert Ihr Buch die Erlebnisse und Entwicklung des Herrn F. in Originalzitaten?

Das Buch besteht aus unserem Briefkontakt, aus vielen Originalzitaten des Axel F., aus Erkenntnissen, die die Einsichtnahme in die Prozessakten ergaben und mehr. Es werden die Erlebnisse seiner extremen Opfererfahrungen dargestellt. Er war als Kind jahrelang das Opfer massiver bad word Gewalt. Er wurde gezwungen, sich zu prostituieren. Die Entwicklung seiner kriminellen Laufbahn wird für die Leser schlüssig und nachvollziehbar, aber keinesfalls entschuldbar. Darum geht es auch nicht. Es geht mir um die Darstellung von Gesetzmäßigkeiten, um mögliche Folgen, die unterschiedliche Formen der Gewalt auf Kinder haben können. Es gibt keine Fiktion im Buch, es handelt sich um die authentische Geschichte eines bis an sein Lebensende inhaftierten, sadistischen Serienmörders. Alle Namen und Daten, wurden aus Gründen des Schutzes von Opfer- und Persönlichkeitsrechten, verändert bzw. anonymisiert.
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Re: Verletzungen der menschlichen Psyche

Beitragvon Herbert67 » So, 12 Dez 2010 1:45 +0000

Ich hab mal ne Frage. Leider kann ich hier irgendwie kein eigenes Thema aufmachen.

Aber eine Kollegin und ich haben uns letztens gefragt, ob Mobbing mittlerweile auch amtlich so anerkannt ist, dass eine Berufsunfähigkeit rechtfertigt. Sie hat das ganze Thema Mobbing nämlich in Ihrer letzten Firma von A bis Z durchgemacht und kommt trotz des Wechsels in unsere Firma (mit einem Betriebsklima) nur unregelmäßig zur Arbeit, weil sie wohl traumatisiert ist.

Jetzt habe ich letztens das hier mal gelesen und denke, ist das nicht eigentlich auch eine Form der Berufsunfähigkeit? Und hätte sie dann Anspruch auf Ihre Bezüge?

Berufsunfähigkeitsversicherung

Hoffe, es kann mir jemand weiterhelfen und ich kann meiner Kollegin demnächst vielleicht weiterhelfen.

Herbert
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