Mobbing in der Konjunkturflaute

Ein Aspekt: die deutsche Staatsverschuldung. Sie hat eine astronomische Höhe erreicht. Wie konnte es dazu kommen? Was sind die Folgen? Gibt es Auswege?
Hier wird versucht, in verständlicher Form zu informieren.

Moderator: Günter Spies

Mobbing in der Konjunkturflaute

Beitragvon michael » Di, 23 Sep 2008 11:23 +0000

Was hat Mobbing mit der allgemeinen Wirtschaftslage zu tun?
Man möchte im ersten Augenblick meinen, dass hier kein Zusammenhang besteht. In Wirklichkeit ist dies jedoch ganz anders und das Thema ist augenblicklich deshalb sehr aktuell:

Unsere Wirtschaft befindet sich in der Phase des Konjunkturabschwungs: Gewinnmargen der Unternehmen verschlechtern sich, Auftragsbestände gehen zurück, Energie- und Ölpreise steigen dramatisch und die allgemeinen Zukunftserwartungen der Wirtschaft werden nachhaltig durch die Bankenkrise und die vielen negativen Schlagzeilen zum Wirtschaftsgeschehen getrübt.

In dieser Phase wollen viele Unternehmen ihre Anstrengungen zur Kostensenkung verstärken. Dieser Wunsch, auf Krisen mit Kostensenkungen und Personalreduzierungen zu reagieren, hat bei Managern und Unternehmensführungen zumeist erste Priorität. Es ist quasi eine instinktive Reaktion: Durch z.T. drastische Kostensenkungsprogramme wollen sie Belastungen reduzieren, neue Wettbewerbsfähigkeit gewinnen und Gewinnmargen wieder aufbessern. Entsprechende Verlautbarungen sind überall zu hören und zu lesen.

Im Zuge ihrer instinktiven Handlungsweise erkennen leider Unternehmen nicht, dass passive Marktanpassung und einseitiger Personalabbau immer fantasielos und zudem auch häufig weniger effektiv sind und dass andere Strategien eigentlich bessere Erfolge bringen könnten. Es besteht hier eine weit verbreitete Unkenntnis über sinnvolle Handlungsalternativen, so dass andere Wege nur von wenigen Managern und Unternehmen in Betracht gezogen und beschritten werden (Anmerkung des Autors: Das Business-Buch `Warum manche Manager Erfolg haben und andere immer erfolglos bleiben` wird deshalb zur Lektüre empfohlen).


Was sind die unausweichlichen betrieblichen Folgen dieser allgemein verbreiteten Denk- und Handlungsweise?
Folgende Reaktionen und Wirkungen stellen sich ein:
 Unter dem Deckmantel von Sachzwängen verändern sich gesellschaftliche Sitten, ethische Werte verlieren für Führungsverantwortliche ihren Stellenwert.
 Der Verhaltenskodex von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Vorgesetzten und Arbeitgebern verändert sich zum Negativen.
 Arbeitnehmer müssen miterleben, wie Kollegen entlassen werden, wie betriebliche Umstrukturierungen erfolgen oder wie durch Restrukturierungen ihr eigener Arbeits- und Zeitdruck wächst.
 Die Sicherheit und Geborgenheit von Arbeitsplätzen geht verloren.
 In dieser Situation zunehmender persönlicher Verunsicherung und Unzufriedenheit entstehen in einer Belegschaft persönliche Rivalitäten, Rücksichtslosigkeiten, Abgrenzungen und Ausgrenzungen.
 Sündenbockdenken und die Devise `Jeder ist sich selbst der nächste´ verbreiten sich, während Fürsorglichkeitsdenkweisen und Anstand verloren gehen.

Es entsteht der ideale Nährboden, auf dem Mobbing bestens gedeihen und sich ausbreiten kann.

Konjunkturflaute und Mobbing stehen damit in einem engen Wirkungszusammenhang: Jede Konjunkturflaute ist mit einer Zunahme von Mobbing verbunden und umgekehrt ist die Zunahme von Mobbing ein untrügerisches Zeichen dafür, dass durch betriebliche Veränderungen vertretbare Grenzen der sozialen Belastbarkeit überschritten sind.

Diese hier kurz geschilderte Automatik ist tragisch und muss unterbrochen werden, denn sie bringt für die gesamte Wirtschaft, für Betriebe und für die dort Beschäftigten im gleichen Maße nur Nachteile mit sich. Die besondern Belastungen und die nachhaltigen Schäden an Gesundheit und Seele, die durch Mobbingprozesse bei Betroffenen verursacht werden, sind allgemein bekannt. Über die nachhaltigen wirtschaftlichen Folgen, die bei Unternehmen verursacht werden, besteht dagegen noch weitgehende Unkenntnis. Hier ist unbedingt Aufklärung erforderlich: Mit Mobbingaktivitäten sind immer hohe betriebliche Kosten und Produktivitätsnachteile für Unternehmen verbunden. Diese könnten durch eine stärker mitarbeiterorientierte Führung vermieden werden.


Was sollten Unternehmen und Manager jetzt tun?
Manager müssen rechtzeitig umsteuern und jetzt ihre Führungsprinzipien verändern. Sie sollten vorhandene Ressourcen im Bereich ihrer Belegschaften besser nutzen und könnten so auch in der Konjunkturflaute neue Produktivitätszuwächse erreichen. Durch Soziales Management, durch Strategien zur individuellen Motivation und durch entsprechend veränderte Organisationsformen lassen sich in jedem Unternehmen erhebliche Kostensenkungen realisieren. Notwendige Veränderungen werden von einer Belegschaft, die sich mit ihrem Unternehmen identifiziert und sich eingebunden fühlt, aktiv mitgetragen. Der geschilderte Teufelskreis: Konjunkturflaute - Kostensenkungen - Mobbing - persönliche Belastungen/betriebliche Nachteile könnte wirksam durchbrochen werden.

Das im Text angesprochene Buch geht näher auf die geschilderten Zusammenhänge ein. Es gibt Führungsverantwortlichen, die bisheriges Verhalten überdenken wollen und Neues aufnehmen wollen, viele praktische Umsetzungshilfen. Zudem verweise ich auf die folgende interessante Autorenseite:

Sachbücher mit Anspruch
Erfolgsratgeber für Führungskräfte
Praxisleitfaden für Betriebe und Organisationen
Mobbingratgeber

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